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von Almut Pfeiffer

Nicht normal?!

Wie gehen wir damit um, wenn unsere Kinder nicht den Erwartungen der Gesellschaft entsprechen und ausserhalb des vorgegebenen Rasters, jenseits der Norm stehen? Einblicke in meinen ganz persönlichen Weg.

«Das kann doch nicht normal sein?!» – diese Frage wird bereits nach wenigen Lebenswochen zu meinem ständigen Begleiter, als unsere Tochter als drittes Wunschkind in unsere Familie tritt. Zunächst sind es nur Beobachtungen, dann ein banges Fragen und viele Untersuchungen bei unterschiedlichsten Ärzten, die allesamt zu dem Schluss kommen, man müsse Abwarten und der Entwicklung Zeit lassen.

Trotz der andauernden Beschwichtigung von aus­sen, es handle sich um Varianzen innerhalb der Norm, bleibt das beunruhigende Gefühl und der ständige innere Kampf zwischen Vertrauen und Abwarten auf der einen Seite und Vorwärtsgehen und Handeln auf der anderen.

Erst im dritten Lebensjahr erhalten wir eine erste Diagnose. Plötzlich läuft ein ganzer Apparat an, fortwährend kommen weitere Diagnosen dazu: stark eingeschränktes Hörvermögen, auditive und visuelle Wahrnehmungsstörung, Sprechapraxie, motorische Beeinträchtigungen, Stoffwechselstörung. Nicht eingeschränkt sind die ko­gnitiven Fähigkeiten, was dazu führt, dass unsere Tochter ihre Defizite selbst ganz schonungslos wahrnimmt und vor allem die mangelnde expressive Sprachfähigkeit eine grosse Belastung darstellt, die auch Auswirkungen auf die seelische und emotionale Gesundheit hat.

Auf einmal wird die immer niedergekämpfte und jahrelang nicht ernst genommene Befürchtung zur Gewissheit: Unsere Tochter liegt definitiv in sämtlichen Bereichen ihrer Entwicklung ausserhalb der gesellschaftlich definierten Norm.

Diese Erkenntnis erschüttert mich zunächst tief und wird mir zur geistlichen Anfechtung, habe ich mich doch mit ganzer Kraft und Freude in die geistliche Prägung, Erziehung und Förderung unserer Kinder investiert.

Die richtige Blickrichtung

In einem ersten Schritt muss ich nochmals ganz neu und persönlich durcharbeiten, was Jesus seinen Nachfolgern gleich zu Beginn ihres gemeinsamen Weges gesagt hat: «Wer mir nachfolgen will, der nehme sein Kreuz auf sich» (Luk. 9,23).

Ein Leben mit Jesus bewahrt uns nicht vor Leid, aber es bietet einen Anker im Leid. Jesus hält meine Fragen, meine Enttäuschung und meine Selbstvorwürfe aus und verspricht mir, mitzugehen – Schritt für Schritt.

Ich habe die Wahl, wohin sich mein Blick richtet:

Nach hinten: Ich suche nach Handlungsalternativen in der Vergangenheit, verliere mich in Selbstvorwürfen oder ich nähre Anklagen gegenüber falschen Beratern und werde verbittert.

Nach links und rechts: Ich sehe entweder die scheinbar problemlos funktionierenden, gesunden Kinder der anderen oder die Tragödien derjenigen, die noch viel stärker gebeutelt sind. In jedem Fall nimmt es mir die Kraft für mein Heute.

Nach vorne: Die Vorstellung lähmt mich, welcher steinige Weg noch zu bewältigen ist und ich male mir Zukunftsszenarien aus, die so vielleicht gar nicht eintreffen.

Der einzig hoffnungstragende und wirklich hilfreiche Blick ist der nach oben: zu dem hin, der mein Leben lenkt und auch diese Wegführung zugelassen hat. Zu Jesus.

 

Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 02/2023

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