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von Almut Pfeiffer
Best Friends Forever?!
Als Kind habe ich regelmässig für eine «Herzensfreundin» gebetet. Was ich mir darunter vorgestellt habe, weiss ich heute gar nicht mehr so genau. Ich erinnere mich jedoch daran, dass ich im christlichen Umfeld zwar viele Kontakte pflegte, aber trotzdem viele Jahre irgendwie leer und einsam auf der Suche nach echter, tiefer geistlicher Freundschaft blieb.
Woran fehlt es?
Wie traurig, wenn unsere Beziehungen zu anderen Christen nur oberflächliche Gemeinschaft sind. Wenn sie nichts weiter als Interessensgruppen sind, die sich zwar zum wöchentlichen Gottesdienst treffen, das Leben unter der Woche aber nicht beeinflussen. Im Alltag versucht sich jeder so gut wie möglich allein durchzuschlagen. Die Gemeinschaft gleicht einem Verein, die Gespräche sind ähnlich flach. Wenn jemand die aus Höflichkeit oder Verlegenheit gestellte Frage «Wie geht’s?» ehrlich beantwortet und von Kämpfen und Misserfolgen berichtet, macht sich Überforderung bemerkbar.
Was Gott sich so wunderbar für uns ausgedacht hat, ist uns infolge des Sündenfalls leider grundsätzlich verloren gegangen. Wir führen oft egoistische Beziehungen, die in erster Linie das eigene Wohl suchen und nur kalkulieren, wofür der andere uns nützlich sein kann. Wir verlieren uns in virtuellen Freundschaften, die gut kontrollierbar sind und eine Illusion von Gemeinschaft vermitteln. Wir reduzieren uns auf spezialisierte Freundschaften, die nur noch die gemeinsame Lebensphase oder das Hobby verbindet.
Bist du bereit, dich zu investieren?
Wie hat Gott sich das Zusammenleben unter Christen ursprünglich gedacht? Gott hat uns als Beziehungswesen erschaffen. Mit der Feststellung «Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei» (1. Mose 2,18) schenkte er Adam ein Gegenüber. Der Schöpfer hat die Ehe eingesetzt, die in ihrem Ursprungsgedanken auf die intensivste Weise Gott in seiner Dreieinigkeit widerspiegelt. Im Neuen Testament wird die Gemeinde mit einem Körper verglichen. Die einzelnen Glieder bilden mit ihren jeweils spezifischen Aufgaben ein wunderbar aufeinander abgestimmtes Gesamtsystem, das erst in seiner Gesamtheit vollständig und handlungsfähig wird. Ein anderes Bild, das die Bibel für die Gemeinschaft von Christen verwendet, ist das der Familie. Der Glaube an Jesus macht uns zu geistlichen Brüdern und Schwestern. Das Bindeglied ist immer die Liebe. Diese göttliche Liebe, griechisch Agape, die sich selbstlos an den anderen verschenkt, kennen nur Kinder Gottes. Sie entspringt nicht menschlicher Willensanstrengung oder gemeinsamer Interessen und Sympathien. Sie ist ein Geschenk Gottes und hat ihren Ursprung im Schöpfer selbst, der seine Kinder nur in der Abhängigkeit von ihm überhaupt fähig macht, andere Menschen mit dieser aufopfernden Liebe zu lieben. Innerhalb der Gemeinschaft von Gläubigen gibt es dann Einzelbeziehungen, in denen wir in besonderer Weise miteinander verbunden sind. Eine Freundschaft, die im gemeinsamen Leben das Anliegen teilt, Jesus ähnlicher zu werden und sich mit diesem Ziel in den anderen investiert.
Ein Beispiel für eine solche «geistliche Freundschaft» begegnet uns in der Bibel bei David und Jonathan. Ihre Beziehung kennzeichnet sich unter anderem dadurch, dass Jonathan seine eigenen Interessen zurückstellt, zu Davids Gunsten auf den Thron verzichtet und seinen Freund in jeder Hinsicht unterstützt.
Blicken wir ins Neue Testament, so können wir direkt von Jesus lernen, wie eine geistliche Freundschaft gelebt werden kann. Während seiner Zeit auf dieser Erde hat Jesus mit seinen Jüngern drei Jahre lang Leben und Alltag geteilt. Es ist beinahe unglaublich, dass er, der Schöpfer des Universums, diese schwache Truppe als seine Freunde bezeichnet: «Ich nenne euch nicht mehr Knechte (...) Euch aber habe ich Freunde genannt» (Joh. 15,15).
Mit Petrus, Johannes und Jakobus war er darüber hinaus in ganz besonderer Weise verbunden. Diesen gibt er tiefe Einblicke in sein Inneres. Als er im Garten Gethsemane voller Angst auf sein bevorstehendes Leiden blickt, teilt er diese Gefühle offen und ungeschminkt und bittet um Gebetsunterstützung: «Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet!» (Mark. 14,34). Das ist gelebte Freundschaft!
Was echte Freundschaft ausmacht
Geistliche Freundschaften kennzeichnet eine Offenheit, die sich nicht scheut, sich verletzlich zu machen. Es ist so befreiend, wenn ich keine fromme Fassade aufrechterhalten muss, wenn ich ehrlich von Versagen und Anfechtungen erzählen kann. Nur, wenn wir uns aus der Deckung wagen, werden wir echt und greifbar als Mensch. Christliches Leben darf nicht zu einem Wettbewerb verkommen, zu einer Art Selbstdarstellung in Frömmigkeit. Andernfalls haben wir die Basics des Evangeliums nicht verstanden: Wir sind und bleiben alle errettete Sünder.
Offenheit beinhaltet auch, zu wagen, kritische Themen anzusprechen. Wahre Liebe schweigt nicht, wenn der andere bewusst oder unbewusst falsche Wege einschlägt. Als Paulus beispielsweise der Meinung ist, dass sich Johannes Markus als Mitarbeiter disqualifiziert hat, gerät er mit seinem Freund Barnabas deswegen scharf aneinander (vgl. Apg. 15). Ihre Wege trennen sich über dieser Frage sogar zeitweise. Später gibt Paulus ehrlich zu, dass sich Johannes Markus im Dienst bewährt hat und seine erste Einschätzung falsch war.
In biblischen Freundschaften findet seelsorgerlicher Rat meist auf ganz natürliche Weise statt. Paulus inniges Verhältnis zu Timotheus ist hierfür ein gutes Beispiel. Dabei ist das Gebet miteinander und füreinander von entscheidender Bedeutung. Dies verbindet auch über räumliche Distanzen und trägt sogar durch Krisen. Wie oft bittet Paulus die Gemeinden um Fürbitte. «Ich bete für dich» – dieser Satz ist, wenn er ehrlich gemeint ist und auch umgesetzt wird – ein Trost, den nur Christen kennen.
Grundsätzlich gilt: Das Fundament von geistlicher Freundschaft ist immer Jesus. Wenn er uns verbindet, dann sind wir nicht mehr darauf angewiesen, eine möglichst grosse Schnittmenge an Gemeinsamkeiten zu haben. Dann können die Lebensumstände und Charaktere völlig unterschiedlich sein.
Wie du geistliche Freunde findest
Wie können wir als Christen echte Freundschaften (zurück)gewinnen? Je mehr wir Jesus ins Zentrum unseres Lebens rücken, desto mehr werden wir in der Lage sein, tiefe Beziehungen zu leben. Leiden wir vielleicht deshalb unter dem Mangel an echter Freundschaft, weil wir in der Gefahr stehen, Jesus aus dem Blick zu verlieren?
Ein weiterer Schlüssel liegt in unserer Herzenshaltung. Ich bin erst dann bereit für eine geistliche Freundschaft, wenn ich bei der Suche nach Beziehung aufhöre, meine eigenen Bedürfnisse im Blick zu haben. Wenn ich anfange, selbst ein Freund zu sein.
Fragen wir nicht, was uns der andere nützt, sondern vielmehr, wo wir unseren geistlichen Geschwistern dienen können. Biblische Freundschaften suchen nicht den persönlichen Gewinn, sondern fragen, wie sie Jesus am besten verherrlichen können. Deshalb investiere dich in andere Menschen, gehe mit ehrlichem Interesse aktiv auf andere zu. Überlege dir, welche Personen du im Gebet begleiten kannst und dann vertraue darauf, dass Gott dir zur richtigen Zeit eine geistliche Freundschaft schenken wird. Eine Freundin berichtete mir dazu einmal Folgendes: Mit einer speziellen Schwester aus der Gemeinde hatte sie einfach grosse Mühe. Ihr Charakter sowie ihre Art und Weise, Dinge anzugehen, standen ihr so grundsätzlich entgegen. Nachdem sie längere Zeit regelmässig für diese Person gebetet hatte, bemerkte sie, wie sich ihr Blick langsam veränderte. Am Ende entwickelte sich daraus sogar eine wertvolle Freundschaft.
Manchmal gilt es aber auch, Wüstenzeiten auszuhalten und nicht aufzuhören, seine «Bitten mit Danksagung und Flehen vor Gott kundzutun» (Phil. 4,6). Ich hatte mich auf der Suche nach einer geistlichen Freundschaft eine Zeitlang richtiggehend verausgabt, mit den unterschiedlichsten Glaubensgeschwistern aus den verschiedensten Altersgruppen den Kontakt gesucht, mich verabredet, intensiv gebetet. Trotzdem erlebte ich vor einigen Jahren eine Phase der Einsamkeit inmitten der Gemeinschaft von Christen. Schliesslich war es ein Gottesgeschenk, als sich dann ganz unerwartet neue Türen zu einer tiefen geistlichen Freundschaft geöffnet haben.
Freundschaft praktisch leben
Ganz praktisch gibt es verschiedene Möglichkeiten, um Freundschaften zu pflegen. Immer wird es uns Zeit kosten. Diese Investition muss es uns wert sein. Digitale Kommunikation per WhatsApp und Internet ist in erster Linie ein Werkzeug, um Informationen auszutauschen. Echte Beziehung muss gelebt und erlebt werden. Dazu braucht es, wenn irgend möglich, die realen Begegnungen oder bei weiten räumlichen Entfernungen zumindest einen möglichst adäquaten Ersatz.
Mein Mann kann beispielsweise am besten reden, wenn er draussen unterwegs ist. Deshalb trifft er sich mit seinem Freund so oft wie möglich zum Wandern oder Spazieren. Jede tiefe Beziehung lebt in erster Linie vom Gespräch. Dieses müssen wir aktiv suchen und dafür auch selbst bereit sein, unsere Komfortzone zu verlassen, zuzuhören und mitzutragen. Oft hilft es auch, wenn wir bei unseren Treffen bestimmte ritualisierte Abläufe haben: eine Tasse Kaffee, ein Bibelbuch, das wir fortlaufend lesen, das Austauschen von Gebetsanliegen und das gemeinsame Beten. Gerade, wenn wir geistliche Elemente fest verorten, ergeben sich meist ganz von selbst wertvolle Gespräche, und unsere Beziehung erhält Tiefgang. Manchmal kann es auch hilfreich sein, sich Fragen zu überlegen: Wo erlebst du gerade Herausforderungen? Wo kann ich für dich beten? Welche Entdeckungen hast du in letzter Zeit beim Bibellesen gemacht? Wo siehst du geistliches Wachstum in meinem Leben?
Es ist ein einzigartiger Schatz, dass wir aus unserer Beziehung zu Jesus heraus tiefe Freundschaften zu unseren Glaubensgeschwistern leben dürfen. Vielleicht gilt es, diesen Schatz wieder ganz neu zu entdecken und zu heben? Ich selbst würde heute nicht mehr von «Herzensfreunden» sprechen. Schliesslich geht es nicht in erster Linie um mich und mein Herz, sondern um Jesus. Er möchte mich und den anderen prägen und in sein Bild verändern. In diesem Prozess bin ich dankbar für treue geistliche Wegbegleiter, mit denen ich gemeinsam zum selben Ziel unterwegs sein darf.
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factum – Mensch. Natur. Glaube.
Neben ethos bringt der Schwengeler Verlag auch die Zeitschrift factum heraus. Das Magazin steht für die Themen Mensch, Natur und Glaube. Vielfältig, kompetent und verlässlich werden darin die Wurzeln moderner Zeiterscheinungen anhand der Bibel beleuchtet, was zu einem besseren Verständnis unserer Zeit beiträgt. Darüber hinaus finden sich Artikel über die Schönheit und Genialität der Schöpfung, die zeigen, dass es absolut plausibel ist, an einen Schöpfergott zu glauben.
open hands – Hoffnung, die hilft.
Das christlich-soziale Hilfswerk ist aus der Arbeit des Schwengeler Verlags entstanden. Ziel ist es, Menschen in Rumänien in ihrer geistlichen, materiellen und physischen Not zu helfen. Grundlage ist das Wort Gottes, die Bibel. Das Motto: Hilfe zur Selbsthilfe. Menschen werden damit zur Eigenverantwortung, zum Um- und Neudenken durch die Kraft des Evangeliums motiviert.