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von Sabine Kähler
Die Johannisbeeren
Das ist die Post. Sie laufen in ihrer Strasse von Haus zu Haus und werfen eifrig ihre Post in die Briefkästen der Nachbarn. In jeden Briefkasten kommt ein Brief.
«Fertig!» Levi schliesst seine Tasche. «Das war der letzte Brief.»
«Ich habe auch keinen mehr», nickt Lia. «Dann können wir jetzt nach Hause gehen und neue Post vorbereiten.»
«Ich mag lieber noch ein bisschen im Sandkasten spielen», entgegnet Levi. Dann fällt sein Blick auf einen Busch gleich neben dem Briefkasten. «Schau mal, der Busch da. Es sind Beeren dran.»
«Oh ja! Sind das nicht die, die Mama so gerne mag?» Lia zupft eine der kleinen, roten Beeren ab und steckt sie sich in den Mund. «Die sind sauer», sagt sie und schüttelt sich, «aber ich bin sicher, das sind Mamas Lieblingsbeeren für ihr Morgenmüsli.»
«Wollen wir ihr nicht ein paar mitbringen?», schlägt Levi vor. «Dann freut sie sich sicher.»
«Bestimmt», erwidert Lia und beginnt gleich damit, Beeren in ihre Hand zu sammeln. «Mach mal deine Tasche auf, sonst fallen sie mir noch auf den Boden.»
Levi öffnet sein Kindergartentäschchen und gemeinsam pflücken die beiden Kinder Beeren für ihre Mama.
«Das reicht für ihr Müsli», sagt Levi und klappt die Tasche zu. «Lass uns heimgehen.»
«Mama», ruft Lia schon am Gartentor, «wir haben dir was mitgebracht.»
«Bekomme ich auch einen Brief?», fragt Mama lächelnd.
«Nein», Levi schüttelt den Kopf, «etwas viel Besseres!»
Er öffnet sein Täschchen, greift hinein und hält Mama eine Handvoll rote Beeren hin. «Wir haben dir Beeren mitgebracht!»
«Johannisbeeren», sagt Mama überrascht.
«Sind das nicht deine Lieblingsbeeren?», fragt Lia gespannt. «Die sind für dein Müsli!»
«Das sind meine Lieblingsbeeren», bestätigt Mama. «Aber ...»
«Ich wusste es», quietscht Lia und hüpft aufgeregt von einem Bein aufs andere, «freust du dich?»
«Hmm ja», antwortet Mama, aber ihr Gesicht sieht nicht so fröhlich aus. «Es war sehr lieb von euch, dass ihr mir ein Geschenk mitbringen wolltet, aber ich möchte doch gerne wissen, woher diese Beeren sind.»
«Die haben wir gefunden, gleich neben dem Briefkasten beim letzten Haus in der Strasse», erklärt Levi.
«Bei Frau Huber im Garten?»
«Nicht im Garten», Levi schüttelt den Kopf, «gleich neben dem Briefkasten.»
«Ja, ich weiss schon, wo du meinst», nickt Mama. Sie holt eine kleine Schüssel und gemeinsam füllen sie die Beeren aus dem Täschchen in die Schüssel.
«Manche sind noch grün», erklärt Lia und lacht, «die sind besonders sauer.»
«Kommst du noch mit in den Sandkasten?» Levi zupft seine Schwester am Ärmel. «Klar», sagt Lia und schon sind die beiden verschwunden.
Kurze Zeit später kommt Mama auch dazu. Sie nimmt eines der Sandförmchen in die Hand und sagt nachdenklich: «Was würdet ihr davon halten, wenn der Briefträger morgen ein paar eurer Sandkuchenformen in seine Tasche packen würde? Oder den kleinen Bagger dort? Er könnte die Sachen seinen Kindern mitbringen, die würden sich sicher freuen.»
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