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Uhr
von Elisabeth Weise

Glaube

Duett oder Duell?

Das biblische Rezept, damit aus Partnern keine Gegner werden.

Es ist Punkt 12 Uhr. Die Sonne steht hoch über der langen, staubigen Strasse. Die Luft flimmert in der Hitze, die sich zwischen den Häuserfassaden staut. Es herrscht absolute Stille, nur ein loses Ladenschild klappert leise im Wind.
Plötzlich treten zwei Männer aus einem Saloon. Der Sand knirscht unter ihren schweren Stiefeln. In der Mitte der Strasse bleiben sie Rücken an Rücken stehen, bevor jeder exakt zehn Schritte nach vorne geht. Zeitgleich drehen die beiden sich um, stehen sich Auge in Auge gegenüber. Die Spannung ist fast mit Händen zu greifen. Wer wird zuerst ziehen? Wer als Sieger aus dem Duell hervorgehen?
Szenenwechsel. Das Licht wird gedimmt, das Getuschel im Publikum verstummt. Alle Blicke richten sich auf die beiden Musiker auf der Bühne. Einen Moment lang sehen die beiden sich an, dann hebt der Pianist mit einer sanften Bewegung seine Hand und gibt den Einsatz. Sofort nimmt die Cellistin die Melodie auf. Ihre Körper bewegen sich im gleichen Rhythmus. Mal trägt das Klavier die Melodie, mal steht das Cello im Vordergrund. Ihre Stimmen wechseln sich ab und greifen ineinander.
Dann wird die Melodie langsamer. Die beiden Musiker schauen sich an, um exakt im gleichen Moment den letzten Ton leise verhallen zu lassen. Alles verharrt noch einen Augenblick, bevor der Applaus des Publikums losbricht. Die beiden Spieler lächeln sich erleichtert an und treten dann für die gemeinsame Verbeugung nach vorn.

 

 

Miteinander oder Gegeneinander?

Zwei Szenen mit jeweils zwei Menschen – und doch so verschieden. Warum? Ein Duell ist ein Gegeneinander. Es geht um Sieg und Niederlage, um Gewinner und Verlierer. Beim Duett hingegen zählt das Miteinander. Zwei Instrumente spielen zusammen und bringen gemeinsam etwas Schönes hervor.

 

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