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von Raphael Berger

Glaube

Frontmann

Du würdest für deine Familie sterben – aber lebst du auch für sie?

Es ist schwieriger, eine Familie zu führen, als eine Nation zu regieren.» Mit diesem chinesischen Sprichwort beginnt Steve Farrar sein Buch «Frontmann. Wie du deine Familie anführst»1. Was es bedeutet, eine Nation zu führen, kann ich nicht beurteilen. Eine Familie jedoch, das habe ich. Und was für eine. Vier Jungs wurden mir und meiner Frau geschenkt. Weshalb vier Jungs? Das habe ich mich – und auch Gott – schon oft gefragt. Ich bin mir bewusst, welch überragende Rolle ein Vater im Leben seiner Kinder und insbesondere seiner Söhne spielt. Auch weiss ich um die entscheidende Rolle des Mannes für eine erfüllte Ehe, die wiederum das unverzichtbare Fundament ist, auf dem die Familie wachsen und gedeihen kann. Und natürlich kenne ich auch verschiedenste Bibelstellen über Ehe, Familie und Erziehung und wünsche mir, dass sie immer mehr vom Kopf ins Herz gehen und zu praktischen Leitlinien in meinem Leben werden. Ebenso wenig verschliesse ich meine Augen vor dem, was in der Welt und in unserer Gesellschaft abgeht, und weiss, in welch gottfeindlicher Umgebung meine Kinder aufwachsen.

Soweit alles klar, aber ...

Ich sollte also meine Söhne in der Bibel unterweisen, möglichst viel Zeit mit ihnen verbringen, sie (positiv) prägen, immer ein offenes Ohr für sie haben – selbst dann, wenn ich abends müde, ausgelaugt und bis über beide Ohren im Sumpf der Anforderungen des Alltags stecke –, sie in den praktischen Dingen des Alltags anleiten, auch wenn ich zwei linke Hände habe, sie zum richtigen Zeitpunkt und altersgerecht aufklären, damit ich der Schule und der Gesellschaft zuvorkomme – und ja, natürlich muss ich mich auch mit dem auseinandersetzen, was ihnen in der Schule vermittelt wird und gegebenenfalls intervenieren und das Gespräch mit den Lehrern oder der Schulleitung suchen.
Klar ist, dass ich über all dem meine Ehe nicht vernachlässigen darf, denn sie ist – wie oben geschrieben – das Fundament, auf dem meine Söhne sich überhaupt erst gut entwickeln können. «Nebenbei» arbeite ich noch und natürlich ist da auch die Gemeinde, in die ich mich investieren und mit meinen Gaben und Fähigkeiten einbringen will. Auch diese Aufgaben sollte ich auf keinen Fall vernachlässigen.
Szenenwechsel: Es ist Montagmittag. Wir sitzen am Tisch, als unser Ältester von einem Vortrag erzählt, den sie am Morgen anlässlich ihrer «Medienwoche» gehört hatten. Die Referentin machte eine Umfrage, wer von den Kindern der fünften Schulstufe (ca. 11 Jahre) bereits ein Smartphone hat. In der Klasse meines Sohnes haben vier von zehn Kindern eins, also knapp jeder Dritte. In der «Kleinklasse» – hier sind Kinder mit «besonderen Bedürfnissen» untergebracht, die nicht selten auf prekäre familiäre Verhältnisse zurückzuführen sind – beträgt die Quote hingegen bereits 100 Prozent! Wieder eine Bestätigung für den unverzichtbaren Wert eines behüteten Zuhauses.
Ein Blick ins nähere Umfeld zeigt: Vor 10 bis 20 Jahren feierten wir eine Hochzeit nach der anderen, bald darauf folgten überall Babys. Und nun – ja, nun erleben und hören wir leider immer wieder von Problemen in der Ehe, von einem «schleichenden Auseinanderleben», von Trennungen, Scheidungen und neuen Partnern. In Deutschland wie auch in der Schweiz werden statistisch zwei von fünf Ehen geschieden, jedes sechste (Deutschland) und jedes siebte (Schweiz) Kind wächst in einem alleinerziehenden Haushalt auf. Zwar leben in der Schweiz nach wie vor fast drei viertel aller Kinder und Jugendlichen in einer traditionellen Familie mit dem eigenen Vater und der eigenen Mutter, die verheiratet sind. Der Blick hinter die Fassaden einiger solcher «traditioneller Familien» im privaten Umfeld lässt jedoch erahnen, wie viel Not und Leid sich dahinter verbergen kann. Konsterniert stelle ich fest: Auch eine traditionelle Familie ist kein Garant für ein optimales Aufwachsen von Kindern.
Mich ereilt der Gedanke: Wer gibt mir angesichts dieser Ausgangslage eigentlich die Garantie dafür, dass nicht auch meine Familie und meine Ehe im Chaos enden werden? Dass ich stark abschliessen und so für meine Söhne da sein werde, wie sie mich brauchen? Auch in den turbulenten Jahren, die ihnen mit der Teenagerzeit noch bevorstehen?

Neugierig? Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 3/2026

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