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von Carola Eissler

Interview: Mit Gott und MS im Rollstuhl

Seit Jahrzehnten im Rollstuhl, für jeden Handgriff auf Hilfe ange­wiesen. Tägliche Pflege, Arbeiten im Betrieb und nebenbei noch Zwillinge gross­ziehen. Wie das geht? Im Alltag von Markus und Petra Hupp steht die Gnade, nicht die Krankheit, im Mittelpunkt.

 

Carola Eissler: Markus, Petra, ihr kennt euch mittlerweile vier Jahrzehnte, seit 35 Jahren seid ihr verheiratet. Ihr macht gerne Spässe und lacht viel. Der Glaube an Jesus Christus ist euer Zentrum. Wie habt ihr euch kennengelernt, und wie seid ihr zum Glauben gekommen?

Petra: Wir haben uns auf einem Dorffest kennengelernt, damals war ich 16 und Markus 18. Wir stammen aus zwei Nachbardörfern südlich von Stuttgart. Das ist jetzt mehr als vier Jahrzehnte her – 1991 haben wir geheiratet.

Markus: Als wir verlobt waren, besuchten wir eines Tages gläubige Verwandte von mir in der Schweiz. Sie nahmen uns mit in den Gottesdienst. Eigentlich gingen wir nur aus Höflichkeit mit.

Petra: Dieser Gottesdienst hat uns total bewegt. Das kannten wir so nicht aus der Landeskirche. Wir bekamen ein Neues Testament geschenkt. Kurz nach unserer Hochzeit lernten wir eine Nachbarin kennen, die mit uns über den Glauben sprach und uns in die Christliche Gemeinde Reutlingen zum Gottesdienst einlud. In dieser Gemeinde sind wir heute noch.

Carola Eissler: Wie jedes junge Paar hattet ihr bestimmt gemeinsame Lebenspläne. Habt ihr bei der Hochzeit schon geahnt, dass euch die Krankheit ein Leben lang begleiten wird? Gab es dazu erste Anzeichen?

Petra: Wir wollten Kinder und ein eigenes Haus. Das mit dem Haus hat nicht geklappt, aber wir haben zwei Kinder und inzwischen auch zwei Enkelkinder, bald sogar drei. Als wir heirateten, war uns natürlich nicht klar, dass die Krankheit die nächsten Jahrzehnte prägen wird. Das Handicap war zwar von Anfang an Teil unseres Lebens, die Ärzte sagten, es sei eine Nervenentzündung. Wir haben versucht, dies auszublenden, wir waren frisch verliebt. Das Leben erschien uns in rosaroten Farben.

Markus: In gewisser Weise war es gut, dass mein Gesundheitszustand nur langsam schlechter wurde, so konnten wir uns darauf einstellen. Schlimmer scheint mir ein Unfall, bei dem sich das Leben von einem Tag auf den anderen dramatisch verändert. Erste Anzeichen gab es bei mir bereits, als ich 13 war: Ich zog hin und wieder beim Gehen das Bein nach. Niemand wusste, weshalb, und die Symptome vergingen wieder. Auch als wir heirateten, trat diese Einschränkung immer wieder auf. Ich wurde zum Neurologen geschickt, doch auch der fand nichts.

Petra: Eines Tages bekam Markus einen massiven Schub und brach zusammen. Er wurde in die Uniklinik Tübingen eingeliefert, wo die Ärzte erneut eine Nervenentzündung diagnostizierten.

Markus: Die Ärzte nannten mir jedoch keine klare Diagnose. Sie meinten, die Nervenentzündung könne besser werden oder auch nicht – niemand hat uns darüber aufgeklärt, was das bedeuten könnte. Ich habe das so hingenommen und nichts Schlimmes dabei gedacht. Irgendwann nahmen meine Einschränkungen so weit zu, dass ich einen Behindertenausweis beantragte. Beim Ausfüllen der Formulare fragte ich meinen Hausarzt, welche Diagnose ich denn eintragen solle. Da fragte er mich: «Ja Kerle, hat dir denn keiner gesagt, was du hast?» Er eröffnete mir dann meine Diagnose MS. Ehrlich gesagt schockierte mich diese nicht mehr so sehr, denn es ging mir bereits sehr schlecht und meine Gehfähigkeit hatte rapide abgenommen.

Petra: Markus war in der Zeit noch als gelernter Bäcker beruflich aktiv. Doch irgendwann ging das nicht mehr und er suchte sich einen Job als Maschinenarbeiter. Eigentlich hätte er Anspruch auf eine Umschulungsmassnahme gehabt, aber darauf hätte er jahrelang warten müssen. Deshalb hat er sich dann einfach selbst eine Arbeit gesucht.

Neugierig? Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 3/2026

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