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von Matthias Hilbert
So nimm denn meine Hände ...
Als ich im Frühjahr dieses Jahres eine Todesanzeige erhielt, war ich angenehm überrascht, dass ich auf dem Briefcouvert eine Briefmarke entdeckte, die als Sondermarke an den 200. Geburtstag der tiefgläubigen christlichen Dichterin Julie Hausmann (* 19. März 1826) erinnert. Als Motiv dieser Gedenkmarke ist ein florales Muster gewählt worden, das – als Hinweis auf die Vergänglichkeit – von links nach rechts zunehmend verblasst, und das den knappen Aufdruck enthält: «So nimm denn meine Hände». Denn es ist vor allem dieses eine, so ganz im Geist des Pietismus und der Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts verfasste Lied, mit dem Julie Hausmann bekannt geworden ist. Es ist in zahlreiche Sprachen übersetzt worden und hat sich mit der Zeit zu einem überkonfessionellen christlichen Liedklassiker entwickelt. Besonders gern wird es auf Trauerfeiern gesungen.
Doch dieses Lied mit seinem schlichten Text und seiner getragenen und gefühlvollen Melodie ist weit mehr als (nur) ein Beerdigungslied. Es ist vielmehr ein Lied, das ganz allgemein den in ihrem Glauben verunsicherten und angefochtenen Christen einen Weg weisen möchte, wie ihre aufgewühlten Herzen und Gefühle wieder zu Ruhe und Frieden gelangen können. Und zwar durch die bewusste Hinwendung an ein göttliches «Du», dem man ehrlich und offen seine Zweifel und innere Not bekennt: «Wenn ich auch gar nichts fühle von deiner Macht ...». Das allein kann schon entlastend sein. Erst recht gilt das aber, wenn zu dem Bekenntnis zugleich die Bereitschaft und der Entschluss ausgesprochen wird, sich und sein ganzes Leben trotz allem dem göttlichen Gegenüber anzuvertrauen – wie ein Kind, das sich zu seinem Vater flüchtet: «So nimm denn meine Hände» und: «Lass ruhn zu deinen Füssen dein armes Kind, es will die Augen schliessen und glauben blind.»
Dass ein Liedtext wie der von Julie Hausmann immer noch die Herzen berührt und so authentisch wirkt, liegt gewiss auch daran, dass die Autorin selbst Anfechtungen und mancherlei Nöte auf ihrem Lebens- und Glaubensweg gekannt hat und durchstehen musste. Dabei hat sie aber bis an ihr Lebensende nie von ihrer gehorsam-vertrauensvollen Beziehung zu Gott gelassen und durfte so immer wieder auch seinen Beistand und seine Durchhilfe erfahren.
Gedichte als Ausdruck des Glaubens
Julie Hausmann wird als Deutsch-Baltin am 7. März 1826 in Riga geboren und ...
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