Uhr
von Yvonne Schwengeler
Antennen immer auf Empfang – Hochsensibilität verstehen
Um es gleich vorneweg zu sagen: Hochsensibilität ist weder eine Krankheit noch eine psychische Störung, nichts, wofür man sich schämen müsste, sondern vor allem ein Wesenszug wie das Temperament – Gabe von Gott und Aufgabe zugleich. Etwa 15 Prozent sollen hochsensibel sein, Frauen wie Männer, sehr viele wissen aber nichts darüber. Die Ausprägung bei Betroffenen variiert jedoch stark. Schon als Kinder fallen Hochsensible auf durch tiefgründige Gedanken, eine präzise Ausdrucksweise und eine grosse Wahrnehmungsbegabung.
Mit dem Wort «sensibel» verbinden wir in der Regel emotionale Reaktionen: schnell beleidigt oder «nah am Wasser gebaut». Das stimmt aber nur zum Teil. Die Welt der Gedanken und äussere Reize spielen genauso eine Rolle.
Der 65-Jährige E. S. hat seine Hochsensibilität erst vor wenigen Jahren erkannt. Für ihn war das ein «Aha»-Effekt für sein Anderssein, das ihn zeitlebens belastet hatte: «Es war eine Befreiung, es war wie durch eine Tür zu gehen, zu der man den Schlüssel gefunden hat.»
In meinem engeren Bekanntenkreis sind vier Personen, die ich als hochsensibel bezeichnen würde, die aber trotz dieser Veranlagung unterschiedlich sind. Generell kann man sagen: Hochsensible sehen, hören, fühlen, schmecken und riechen ohne Filter.
Nicht krank, nur anders
Der Begriff Hochsensibilität wurde von der US-amerikanischen Psychologin und Universitätsprofessorin in New York, Dr. Elaine N. Aron, geprägt.
Hochsensibilität bedeutet, dass man seine Umwelt auf allen Ebenen mit allen Sinnen verstärkt wahrnimmt, was schnell zur Reizüberflutung führen kann. Die Reize werden tiefer verarbeitet und die Emotionen schwingen länger nach. Charakteristisch für Hochsensible ist:
-
ein grosses Einfühlungsvermögen, Empathie
-
starke Berührbarkeit
-
vielschichtige Fantasie
-
intensives Erleben der Natur, von Kunst und Musik
-
hohe Begeisterungsfähigkeit
-
hohe Eigenverantwortung und das Bedürfnis nach Unabhängigkeit
-
ausgeprägter Gerechtigkeitssinn
-
extreme Selbstreflexion
-
Tiefgründigkeit
-
Denken in grossen Zusammenhängen
-
Harmoniebedürfnis
-
Perfektionismus
-
Beeinflussbarkeit durch die Befindlichkeit anderer
-
Schwierigkeit mit starren Strukturen
-
Schwierigkeiten im Umgang mit Stress und Leistungsdruck
-
Schmerzempfindlichkeit und Neigung zu Allergien und Hauterkrankungen
-
starke Reaktionen auf Medikamente, Alkohol, Koffein
Hochsensible Menschen sind emotionaler, nehmen jedes Detail wahr. Ein Lied kann sie gefühlsmässig völlig überwältigen. Eine besondere Wolkenformation, ein Sonnenuntergang, das Zwitschern der Vögel oder das Plätschern von Regen auf dem Dach – das alles wird ganz intensiv gespürt und als überaus beglückend empfunden. Weniger Sensible können manches nicht so geniessen und stellen die Empfindungen Hochsensibler in Frage, weil sie es als Übertreibung interpretieren, tatsächlich aber ist das Erleben so intensiv.
Ein ständiger Lärmpegel, Stress und Leistungsdruck hingegen sind für hochsensible Menschen unerträglich. All diese Reize können auch eine physische Auswirkung haben. Die Anspannung kann sich auf den Seh- und Gehörnerv auswirken, Bauchschmerzen bereiten oder ein Kribbeln und Zittern im Körper auslösen. Die Befindlichkeit des Gegenübers am eigenen Körper zu spüren und das «Lesen» von Gedanken anderer kann zu völliger Überforderung führen. Deshalb brauchen Hochsensible vielmehr Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten als der Durchschnitt.
Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 09/2022
Wir möchten Christen ermutigen, ihren Glauben zu leben und unserer Gesellschaft den Wertmassstab der Bibel aufzeigen.
Damit das gelingt, sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.
Neue News
Schulmedizin – Ein Auslaufmodell?
Die Schulmedizin steckt gerade in einer Vertrauenskrise. Ist sie reformbedürftig – oder bereits überholt? Sind alternative Heilmethoden die Lösung?
[mehr] Schulmedizin – Ein Auslaufmodell?Aus Satans Trickkiste: Zweifel säen
Während des Zweiten Weltkriegs wurde von allen Kriegsparteien viel Propaganda verwendet, um den Gegner zu schwächen.
[mehr] Aus Satans Trickkiste: Zweifel säenUnter dem Badehaus
In den königlichen Gärten von Isfahan im alten Persien stand einst ein prächtiges Badehaus. Du fragst dich vielleicht: Was ist ein Badehaus?
[mehr] Unter dem BadehausMehr entdecken
factum – Mensch. Natur. Glaube.
Neben ethos bringt der Schwengeler Verlag auch die Zeitschrift factum heraus. Das Magazin steht für die Themen Mensch, Natur und Glaube. Vielfältig, kompetent und verlässlich werden darin die Wurzeln moderner Zeiterscheinungen anhand der Bibel beleuchtet, was zu einem besseren Verständnis unserer Zeit beiträgt. Darüber hinaus finden sich Artikel über die Schönheit und Genialität der Schöpfung, die zeigen, dass es absolut plausibel ist, an einen Schöpfergott zu glauben.
open hands – Hoffnung, die hilft.
Das christlich-soziale Hilfswerk ist aus der Arbeit des Schwengeler Verlags entstanden. Ziel ist es, Menschen in Rumänien in ihrer geistlichen, materiellen und physischen Not zu helfen. Grundlage ist das Wort Gottes, die Bibel. Das Motto: Hilfe zur Selbsthilfe. Menschen werden damit zur Eigenverantwortung, zum Um- und Neudenken durch die Kraft des Evangeliums motiviert.