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von Nicola Vollkommer

Aus Stolpersteinen Sprungbretter machen

Werkzeuge aus meinem persönlichen Baukasten – vom Umgang mit Versagen.

«Ich habe mir doch so viel Mühe gegeben.» – «Ich kann machen, was ich will, und es reicht nicht.» – «Wenn er/sie nur wüsste, wie viel Zeit ich in dieses Projekt investiert habe.» – Stempel «unzureichend» oder gar «mangelhaft».

Es gibt vermutlich kaum einen Beruf, in dem solche Gedanken mehr Streiche spielen als den Lehrerberuf. Natürlich hat jede Tätigkeit ihre Herausforderungen. Das Besondere in der Aufgabe als Pädagoge ist allerdings die unmittelbare, tägliche Auseinandersetzung mit der eigenen gefühlten Un-

zulänglichkeit – aus dem rein objektiven Anlass, dass man es die ganze Zeit mit Menschen zu tun hat. Menschen an entscheidenden Schnittstellen ihres Lebens. Mit Schülern und Eltern, die kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn sie ihren Unmut lüften. Dazu kommt, dass die Kunst des konstruktiven Dialogs im menschlichen Miteinander in einer individualistischen Gesellschaft immer mehr der Vergangenheit angehört. «Danke» und «Bitte» und «Könnte es sein, dass ...?» sind seltene Begriffe geworden. Konfrontation ist das Gebot der Stunde.

Freude, die verloren geht

«Mein Sohn hat immer gerne gesungen. Seitdem er Sie in Musik hat, nicht mehr», schrieb mir einmal eine entrüstete Mutter. Ich wusste zwar, dass der Junge schon immer eine Allergie gegen alles gehabt hatte, das wie eine Melodie klang. Aber die Worte sassen – und reichten für eine schlaflose Nacht und zermürbende Zweifel an meinen eigenen pädagogischen Fähigkeiten. Ohne Umwege stechen solche Urteile direkt in die Seele hinein. Man kann nicht beliebig viele negative Signale wahrnehmen, ohne dass sie einem irgendwann ernsthaft unter die Haut gehen. Ich habe Verständnis für die Lehrerin, die ein Schild an ihrem Schreibtisch aufgehängt hat: «Je mehr Kontakt ich mit Menschen habe, desto mehr schätze ich meinen Hund.»

Selbst das stabilste Nervenkostüm gibt irgendwann nach. Burnout, Krankheit, Depression, Vorruhestand. Für den christlichen Lehrer mischen sich Glaubenskrisen mit in das Chaos hinein, das Gefühl, dass Gott allen anderen hilft, mich aber aus irgendeinem Grund auf dem Kicker hat. Körper und Seele rächen sich. Nicht ohne Grund ist der Ausfall von Unterrichtsstunden in vielen Schulen eine Epidemie geworden. Oder wir legen uns eine harte Schale zu. Gehen in die Defensive, werden trotzig, zynisch, beratungsresistent, rechthaberisch. Schotten uns von denen ab, die kompetenter zu sein scheinen als wir, suchen nach Sündenböcken, klagen über die Schulleitung und das Bildungssystem und mutieren zu chronischen Motzern und Miesmachern, die sich immer übersehen, missachtet und benachteiligt fühlen.

Wer schlau ist, kommt dem Problem rechtzeitig auf die Schliche und baut Schutzsysteme gegen den unwiderstehlichen Sog des pädagogischen Griesgrams ein. Hier eine kleine Auswahl der Werkzeuge aus meinem persönlichen Baukasten, die mir im Laufe der Jahre immer wieder geholfen haben, meine Lachfalten mitten im Schulgehege zu erhalten und zu pflegen.

(Artikelauszug aus ethos 8/2017)

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