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von Thomas Jeising

Auslaufmodell oder kostbarster Schatz?

Wenn der alte biblische Glaube aus der Mode kommt wie ein alter Teppich. Bedeutungslos oder der Verlust des Lebens?

Haben Sie vielleicht den teuersten Teppich der Welt in ihrer Wohnung liegen? Aber eventuell wissen Sie gar nichts von Ihrem Glück. Vielleicht geht es Ihnen wie jener alten Dame aus Augsburg, die vor ein paar Jahren nichts davon ahnte, worauf sie und ihre Gäste mit dreckigen Schuhen herumliefen. Es war ein alter Perserteppich aus dem 17. Jahrhundert, der sich schon einmal im Besitz der berühmten Comtesse de Béhague befunden hatte. Ohne das alles zu wissen, hielt die alte Dame den Teppich zwar nicht für völlig wertlos, aber eben für höchstens mittelprächtig.

Als sie sich neue Auslegware bestellen wollte, wurde der alte Teppich zum Auslaufmodell. Sie hatte sich im Laufe der Jahre an seinem immer gleichen Muster sattgesehen und wollte ihn loswerden. Und so beauftragte sie einen Auktionator mit dem Verkauf des guten alten Stücks. Der liess ihn begutachten und schätzte, dass man vielleicht 900 Euro bei einem Verkauf erzielen könnte. Die alte Dame freute sich und liess den Teppich öffentlich anbieten. Bei der Auktion in Augsburg staunte sie dann nicht schlecht, als sich die Interessenten gegenseitig in die Höhe boten und schliesslich satte 19 700 Euro für ihren Teppich bezahlt wurden.

Betrogen

Aufmerksam geworden durch ihr Erlebnis, las sie nicht lange danach vom Verkauf des teuersten Teppichs der Welt im berühmten Auktionshaus Christie’s in London. Dort war ein Teppich, der ihrem sehr ähnlich sah, für 7,2 Millionen Euro verkauft worden. Sie las nochmals und schaute sich das Bild genauer an – und da war ihr klar: Der teuerste Teppich der Welt war ihr Teppich gewesen, den sie lange Zeit für höchstens mittelprächtig gehalten hatte und dessen knapp 20 000 Euro Erlös sie so glücklich gemacht hatten. Jetzt fühlte sie sich betrogen und klagte erfolglos vor Gerichten, um einen Anteil des Erlöses zu bekommen.

Wenn das Wichtigste keine Rolle spielt

Wie wird es einmal sein, wenn die Menschen vor Jesus stehen und den wahren Wert von Kreuz und Auferstehung erkennen? Und wenn es dann zu spät ist, noch einen Anteil am Gewinn zu erhalten? Werden sie sich auch betrogen fühlen? Oder werden sie sich daran erinnern, dass ihnen das Leiden und Sterben von Jesus Christus lange Zeit bedeutungslos erschien? Jedenfalls hielten sie es für von so geringer Bedeutung, dass ihnen anderes viel wichtiger war.

Das Zentrum des christlichen Glaubens erscheint den einen so gewöhnlich, dass es sie langweilt, den anderen anstössig, dass sie es aus dem Zentrum weghaben wollen, und wieder anderen einfach unverständlich. Der Theologe Hans-Peter Jörns, der über Jahre den Glaubensbestand der Christenheit in Deutschland untersucht hat, stellte fest, dass die Bedeutung des Sterbens von Jesus Christus am Kreuz für viele kaum noch eine Rolle spielt. Sein Vorschlag ist allen Ernstes, diesen Glaubensinhalt gegen einen anderen zu tauschen. Einen alten Teppich kann man leicht gegen einen neuen tauschen. Aber was wäre, wenn uns der wahre Wert des christlichen Glaubens so verloren geht? Und was ist, wenn sich die «Schätzer» wie bei dem alten Teppich grandios verschätzt haben?

Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 03/2020.

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