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von Roswitha Wurm
Bedrohliche Riesen
«Herr, gib mir ein ruhiges Herz, das nicht bittet, alles zu verstehen, doch vertrauensvoll – auch in der Dunkelheit – vorwärtsgeht an deiner Hand!» Dieses Gebet von Elisabeth Elliot ist in unserer durch die Angst vor dem allgegenwärtigen Covid-19-Virus geprägten Zeit aktueller denn je.
Wir sorgen uns um vieles – um unsere Arbeit, unsere Liebsten, unsere Gesundheit und um unseren Besitz. Die letzten Monate waren davon geprägt, dass wir uns über die neuesten Infektionszahlen informierten und darüber, was unsere Politiker an neuen Massnahmen verkündeten. Unser Leben und unsere Freiheit waren massiv eingeschränkt.
Was kommt noch alles?
Die Angst vor einer zweiten Welle mit noch weit dramatischeren Folgen greift um sich. Viele Ökonomen prognostizieren eine weltweite schwere Rezession und Finanzkrise – wie seit den 1930er-Jahren nicht mehr. Die Schuldenberge wachsen ins Astronomische, Tausende weiterer Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Was kommt noch alles auf uns zu, so fragen sich viele Menschen.
Sorge bedeutet in seinem Wortsinn so viel wie seelische Gedrücktheit; Angst könnte man auch mit Beklemmung oder Enge umschreiben. Angst und Sorge sind also Synonyme und drücken genau das aus, was sie mit uns machen: Sie schnüren uns ein und rauben uns den Atem.
Hingegen lesen wir in der Bibel: «Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden» (Phil. 4,6). Was so klar und einfach klingt, ist in der Praxis mitunter nicht so leicht umzusetzen.
Jesus nennt drei Gründe, warum angstvolles Sorgen für Christen weder notwendig noch angebracht ist:
• Gott ist unser Vater
Vor unserem Küchenfenster steht eine grosse Eibe, an der wir ein Futterhäuschen angebracht haben, das wir regelmässig mit Sonnenblumenkernen befüllen. Jeden Morgen versammeln sich eine grosse Schar verschiedener Vogelarten und das eine oder andere Eichhörnchen, um scheinbar in einer gewissen Rangordnung ihr Frühstück einzunehmen.
Eines Abends vergassen wir die Sonnenblumenkerne nachzufüllen. Ein lautes, beinahe vorwurfsvolles Gezwitscher machte uns frühmorgens auf unser Versäumnis aufmerksam. Alle Vögel waren gekommen und warteten auf ihr Morgenmahl. Sie zweifelten gar nicht daran, dass sie auch an jenem Morgen versorgt würden. Aus diesem Grund flogen sie nicht einmal ängstlich davon, als wir das Futterhäuschen mit den Kernen befüllten. Ihr von Gott gegebener Instinkt sagte ihnen, dass sie wie sonst auch genügend Futter im Häuschen oder in der Natur vorfinden würden.
Die Vogelschar in unserem Garten erinnert mich jeden Tag neu: Gott versorgt mich genauso! Unsere Ängste und Sorgen darüber, was wir essen oder anziehen sollen, sind unbegründet. Unser himmlischer Vater sorgt für uns und mahnt uns:
«Seid nicht besorgt für euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Seht hin auf die Vögel des Himmels, dass sie weder säen noch ernten, noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel vorzüglicher als sie? Wer kann seinem Leben mit seiner Sorge eine Elle hinzufügen?» (Matth. 6,25–27).
Ein Vogel käme nie auf den Gedanken, sich ein noch grösseres Nest zu bauen und sich einen Vorrat an Würmern anzulegen. Wir versuchen unserer Sorge mit übermässigen Vorräten Herr zu werden – doch sind wir nicht viel besser als Vögel? Kein Vogel wurde so wie wir nach dem Ebenbild Gottes geschaffen oder dazu bestimmt, Miterbe Gottes zu sein. Keinem Vogel wurde eine himmlische Wohnung bereitet. Wenn Gott das Leben eines Vogels erhält: Wird er nicht auch unser Leben erhalten? Er schenkt uns, was wir nötig haben: durch eine Arbeit, mit der wir uns und andere versorgen können, und wenn wir das nicht haben, durch andere, die für uns sorgen.
Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 08/2020.
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