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von Alexander Schick

Brennpunkt Tempelberg (Teil 1)

Seit Jahren tobt ein erbitterter Streit um den Jerusalemer Tempelberg. Jüngstes Beispiel: Eine Resolution der Unesco vom letzten Herbst bezeichnete ihn explizit als muslimische Stätte. Die Tatsache, dass hier einst ein jüdischer Tempel stand, wird trotz aller wissenschaftlicher Erkenntnisse geleugnet.

Dass es den jüdischen Tempel einmal gegeben hat, steht ausser Zweifel. Das Alte und das Neue Testament sind voller Berichte über den Tempelberg. Jesus selber besuchte mit seinen Jüngern den Tempel und warf die Wechsler aus dem Tempelmarkt, denn das Heiligtum sollte ein «Bethaus» und keine «Räuberhöhle» sein (Mark. 11,15–19). Er lehrte sehr oft im Tempel (Joh. 7,14; 8,2 u. 20; 18,20). In der Apostelgeschichte wird mehrmals über den Tempel berichtet. Die Apostel und die Urgemeinde «trafen sich täglich im Tempel» (also in den angrenzenden sogenannten salomonischen Hallen, Apg. 2,46) und lehrten dort (Apg. 5,21). Als Petrus und Johannes zum Gebet auf den Tempelberg gingen, heilten sie den Lahmen an der «schönen Pforte des Tempels» (Apg. 3,1–3). Auch Paulus besuchte den Tempel (Apg. 21,26), er wurde dort sogar verhaftet (Apg. 21,27–30).

Neben den biblischen Berichten und dem Talmud liefert vor allem der jüdische Historiker Flavius Josephus (37–100 n. Chr.) in seinen Büchern «Jüdischer Krieg» und «Jüdische Altertümer» ausführliche Beschreibungen des imposanten Sakralbaus.

Der erste Salomonische Tempel

König David hatte für 50 Silberschekel von Arauna, dem König der Jebusiter, die Tenne (Platz zum Dreschen des Getreides) auf dem Zionsberg erworben (2. Sam. 24,18–25). Später bezahlte er Gold im Gewicht von sechshundert Schekel für den ganzen Berg (1. Chr. 21,25), womit er sein Besitzrecht für den Tempelberg begründete. Hier begann Salomo, Davids Sohn, dem Gott Israels ein Heiligtum zu errichten. «Und es geschah im 480. Jahr nach dem Auszug der Söhne Israels aus dem Land Ägypten, im vierten Jahr der Regierung Salomos über Israel (= 966 v. Chr.), im Monat Siw, das ist der zweite Monat, da baute er (König Salomo) das Haus für den HERRN», so berichtet uns 1. Könige 6,1. Dieser Tempel wird als der erste Tempel und die Epoche als erste Tempelperiode bezeichnet.

König Hiram von Tyrus half dabei vor allem mit den berühmten Zedern des Libanon, die in grossen Mengen eingeschifft wurden. Insgesamt waren an diesem ersten Tempelbau laut den biblischen Angaben mehr als 183 000 Arbeiter beteiligt (1. Kön. 5,15–8,66; 2. Chr. 2). Nach nur sieben Jahren war das Heiligtum fertig. Dieser Platz sollte ohne Beispiel auf der Erde werden, denn die Hügelspitze war durch göttliches Gebot geheiligt und der Prophet Nathan betrachtete diesen Platz als heiligen Boden und nationales Zentrum des jüdischen Volkes. So wurde der Berg Zion (manchmal auch als Berg Moriah bezeichnet) unter anderem Namen bekannt: «Tempelberg, Berg des Herrn oder Heiliger Berg».

Mehr als 350 Jahre stand der Salomonische Tempel auf diesem Tempelberg, bis er 587 v. Chr. durch den babylonischen König Nebukadnezar zerstört wurde. In 2. Könige wird berichtet, dass Nebukadnezar «alle Schätze aus dem Hause des HERRN nahm, sowie die Schätze des Königshauses und er brach das Gold von allen goldenen Geräten ab, die Salomo, der König von Israel, im Tempel des HERRN gemacht hatte» (2. Kön. 24,13). Nebusaradan, der Oberste der Leibwache von Nebukadnezar, «verbrannte das Haus des HERRN und das Haus des Königs; und alle Häuser Jerusalems und jedes grosse Haus verbrannte er mit Feuer» (2. Kön. 25,9).

(Artikelauszug aus ethos 8/2017)

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