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von Rebekka Schmidt
«Das war kein Zellklumpen, das war ein Baby!»
Gerne erinnere ich mich an meine Kindheit. Ich wuchs in einem liebevollen Zuhause auf und war der Stolz meines Vaters. In der Schule war ich beliebt, hatte gute Noten und war sehr selbstbewusst – Gott spielte in unserem Leben keine Rolle. Als meine Mutter sich mehr und mehr mit New Age beschäftigte, begannen die Probleme zwischen meinen Eltern. Sie liessen sich scheiden und Mutter verliess das Land. Ich blieb bei meinem Vater.
«Nur ein Zellklumpen»
Mit 19 hatte ich meinen ersten Freund, wenige Monate später war ich schwanger. Angst packte mich, sah ich doch mein Studium, meine Karriere, ja mein Leben in «Gefahr». Mein Freund stand zu mir, und so wollten wir das Baby
bekommen. Doch meine Freundinnen redeten auf mich ein: «Bist du dir wirklich sicher? Bist du bereit, Mutter zu sein? In deinem Bauch befindet sich doch nur ein Zellklumpen, den kannst du noch wegmachen lassen ...» Und so entschied ich mich.
Heimlich und völlig verängstigt ging ich in eine Abtreibungsklinik. Die Ärztin beruhigte mich und sagte: «Ich habe selbst abgetrieben und habe zwei Abtreibungen bei meiner Tochter geleitet. Ihr geht es gut, mir geht es gut und auch dir wird es hinterher gut gehen!» Dennoch fühlte ich mich während der fünfminütigen Prozedur wie eine Verräterin. Ich wusste, dass ich etwas Schreckliches tat. Meinem Freund erzählte ich hinterher, dass ich das Baby verloren hätte – er und ich litten lange Zeit danach an Albträumen und schweren Depressionen.
Innerhalb des nächsten Jahres wurde ich noch zwei Mal schwanger. Jedes Mal ging ich in eine Abtreibungsklinik – und jedes Mal ging es mir danach schlechter. Ich fühlte mich wie eine Mörderin und die Beziehung zu meinem Freund zerbrach.
Assistentin in einer Abtreibungsklinik
Ich zog in eine andere Stadt und fand als Krankenschwester schnell eine Arbeit – bei Planned Parenthood, einer Abtreibungsklinik. Dort wurden wöchentlich 40 Abtreibungen durch-geführt und als Recht jeder Frau angesehen. Am ersten Tag erklärte man mir, dass ich die Frauen auf die Abtreibung vorbereiten und sie bei Zweifeln überzeugen sollte, die Prozedur durchzuführen. Niemals sollte ich Worte wie «Baby», «Mama», «Papa», «er» oder «sie» sagen, niemals eine Frau auf den Bildschirm mit dem Ultraschallbild gucken lassen. Jede Abtreibung durfte nicht länger als fünf Minuten dauern – sonst bedeutete das Geldverlust!
Dann stand die Zeit still ...
Wenige Tage später half ich bei meiner ersten Abtreibung. Ich war schockiert, wie gewaltsam der Arzt mit dem Gerät in der Gebärmutter der Frau herumsaugte, bis seiner Meinung nach alles herausgekommen war. Nun kam ich an die Reihe: In einem Nebenraum musste ich schauen, wie viele Teile des «Zellklumpens» herausgekommen waren – es mussten mindestens fünf sein, damit die Abtreibung als erfolgreich galt. Meine Anleiterin nahm eine Pinzette, zog erst einen Arm aus dem Gefäss, dann den anderen, dann ein Bein ... und warf sie in den Müll. Es war schrecklich! Und dann war es mit einem Mal, als würde die Zeit stillstehen. Ich sah ganz klar die Hände und Fingernägel dieses dreimonatigen Babys. Später den Kopf, seine Nase, die Wimpern und Augenbrauen ... Und dann traf es mich: Dies war kein Zellklumpen, es war ein Baby, das jeden Moment dieser Abtreibung gespürt hatte. Und auch ich hatte meine drei Babys ermordet!
(Artikelauszug aus ethos 8/2016)
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