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von Larry Osborne

Der Pharisäer in deinem Spiegel

Wie man Stolz, Exklusivitätsdenken und andere Gefahren eines übereifrigen Glaubens vermeiden kann

Vor ein paar Jahren bekam ich die Gelegenheit, in der Gemeinde eines Freundes zu predigen. Ich begann, indem ich den Zuhörern sagte, wie froh ich sei, bei ihnen sein zu dürfen. Dann teilte ich ihnen mit, ihr Pastor habe mir erzählt, dass seine Gemeinde voll von Pharisäern sei. Ich erzählte ihnen, dass ich das genauso sehe, nachdem ich ein paar Tage zusammen mit den leitenden Personen verbracht habe. 

Im Raum war es seltsam ruhig – jene peinliche Art von Stille, die eintritt, wenn man nicht weiss, ob man über diesen Idioten, der gerade so etwas Beleidigendes gesagt hat, wütend sein muss, oder ob man ihn bedauern soll. Ich unterbrach und fragte, ob etwas nicht in Ordnung sei. Im Raum wurde es nur noch stiller.

Schliesslich hörte man ein paar unterdrückte Lacher. Dann nickten einige verständnisvoll. Endlich verstand der Rest der Anwesenden, worum es ging. Ich hatte nichts Falsches gesagt. Ich hatte mir einfach einen Scherz auf ihre Kosten erlaubt. Deshalb stellte ich eine andere Frage: «Wie viele von euch haben meine Einleitung als eine Beleidigung aufgefasst anstatt als Kompliment?» Fast alle Hände gingen hoch. Dann erklärte ich ihnen, dass es nicht immer als ein solches soziales No-Go verstanden wurde, jemanden als Pharisäer zu bezeichnen. Tatsächlich wäre es zur Zeit Jesu eine hervorragende Einleitung für eine Predigt gewesen. Ich war einfach nur ein paar tausend Jahre zu spät.

Wenn die meisten von uns heute das Wort Pharisäer hören, denken wir gleich an heuchlerische, engstirnige, aufgeblasene geistliche Versager. Aber in den Tagen von Jesus war es ein Ehrentitel, wenn man als Pharisäer bezeichnet wurde. Es war ein Kompliment, keine Abwertung.

Die Pharisäer des 1. Jahrhunderts waren in allem herausragend, was wir als geistlich bewundern würden. Sie hatten grossen Eifer für Gott und waren ihrem Glauben vollständig hingegeben. Sie waren theologisch scharfsinnig und kannten die biblischen Texte in und auswendig. Sie gehorchten penibel sogar den unklaren und versteckten Geboten. Sie stellten noch zusätzliche Regeln auf für den Fall, dass sie irgendetwas übersehen würden. Ja, sie konnten manchmal auch ein bisschen harsch und arrogant sein. Aber die meisten ihrer Zeitgenossen akzeptierten das als etwas ganz Selbstverständliches. Schliesslich hatten die Pharisäer sich das Recht, sich zu rühmen und auf alle anderen herabzusehen, mühevoll erworben. Sie standen in einem so hohen Ansehen, dass Jesus sie als Beispiele benutzte, wenn er den höchsten Grad von geistlicher Verbindlichkeit illustrieren wollte.

Der Tag, an dem Jesus die «Pharisäer-Karte» ausspielte

Jesus setzte die «Pharisäer-Karte» zum ersten Mal in seiner berühmten Bergpredigt ein. Um die Unmöglichkeit deutlich zu machen, sich selbst den Weg in den Himmel zu verdienen, wies er auf eine Reihe von allgemein bekannten moralischen Standards aus dem Gesetz Moses hin, und fügte dann jedem Gebot einen viel höheren Standard hinzu – den man unmöglich erreichen konnte.

Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 02/2026

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