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von Sabine Kähler

Die Gitarre

Gott und Menschen eine Freude bereiten

«Hier, schau mal Mama», Sarah legt ein Blatt Papier vor Mama auf den Tisch, «an meiner Schule wird eine Gitarren AG angeboten. Frau Kaiser macht den Unterricht. Man kann sich sogar eine Gitarre ausleihen, da steht es.» Sie tippt mit dem Finger auf eine Stelle des beschriebenen Blattes. «Darf ich da mitmachen, Mama?»

«Lass mich erst mal alles in Ruhe lesen», bittet Sarahs Mutter, ihre Augen gleiten über die Zeilen. «Schön», sagt sie dann, «das ist ein tolles Angebot. Du hast ja schon hin und wieder gesagt, dass du gerne das Gitarrenspielen lernen würdest. Das wäre sicher ein guter Anfang.»

«Meinst du, Papa würde mir seine Gitarre geben? Dann müssten wir keine ausleihen.»

«Bestimmt, aber ich vermute, sie ist zu gross für dich. Es gibt kleinere Gitarren, extra für Kinder. Besser wäre es wahrscheinlich, an der Schule ein passendes Instrument für dich auszuleihen. Lass uns heute Abend mal mit Papa darüber sprechen.»

Papa findet die Idee ebenfalls gut und so darf sich Sarah in der Gitarrengruppe anmelden. Sie kann es kaum erwarten und freut sich sehr, als sie dann endlich zur ersten Stunde gehen kann. Frau Kaiser begrüsst die Kinder und spielt zu Anfang gleich etwas auf ihrer Gitarre vor. Die Kinder sitzen im Kreis und hören ihr zu. Sarah ist begeistert. Ausser ihr haben sich noch Lotte, Ellen, Leo und Tim zur Gitarren AG gemeldet. Tim hat eine eigene Gitarre dabei.

«Das ist eine ¾-Gitarre», erklärt er und Frau Kaiser nickt.

«Genau die richtige Grösse für euch.»

Sie hat für die anderen Kinder ein Leih­instrument mitgebracht, dazu eine passende Tasche, die man wie einen Rucksack anziehen kann. Ausserdem ein Fussbänkchen. Sie zeigt den Kindern, wie man das Fussbänkchen vor sich aufstellen muss. «Das ist für euren linken Fuss, den stellt ihr da drauf. Dann nehmt ihr die Gitarre und haltet sie so.» Frau Kaiser macht alles vor. «Rücken immer schön gerade», sagt sie und dann dürfen alle Kinder einfach mal probieren und drauflos spielen. Als nach ein paar Minuten wieder Ruhe eingekehrt ist, lernen sie gemeinsam die Namen der sechs Saiten auswendig und spielen mit dem rechten Daumen die ersten Töne. Frau Kaiser zeigt genau, wie man die einzelnen Seiten anschlagen muss, damit ein schöner Ton entsteht.

Die Stunde vergeht wie im Flug und Sarah bedauert es, als es Zeit ist, die Instrumente einzupacken. Stolz trägt sie die Gitarre nach Hause und spielt Mama gleich etwas vor. «Ich glaube, das ist genau das Richtige für mich», erzählt sie und strahlt über das ganze Gesicht, «es hat mir mega viel Spass gemacht!»

Sarah übt gerne. Mindestens drei- oder viermal in der Woche packt sie die Gitarre aus und spielt die Stücke, die Frau Kaiser ihnen als Hausaufgabe aufgegeben hat. Nach ein paar Wochen kann sie schon kleine Melodien zupfen und beherrscht die ersten einfachen Akkorde.

Als Papa Geburtstag hat, spielt Sarah «Alle meine Entchen» für ihn. Sie hätte gerne «Happy Birthday to You» für ihn gespielt, aber das kann sie noch nicht. Doch Papa strahlt vor Freude und sagt, das sei das schönste Geburtstagslied gewesen, das jemals jemand für ihn gespielt hat und klatscht begeistert Beifall.

Weitere Wochen vergehen und Sarah wird immer besser. Doch dann ist es plötzlich, als wäre ihr die Freude an der Gitarre verloren gegangen.

Lesen Sie die ganze Kindergeschichte in ethos 02/2025

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