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von Nicola Vollkommer
Die Sprache des Himmels
Kriege, Krisen, politische und soziale Umwälzungen, die einst weit weg schienen, sind plötzlich ganz nah. Neue Schreckensmeldungen wechseln sich mit noch neueren in einem Tempo ab, dass einem schwindelig werden kann. In unserem persönlichen Leben kann es ähnlich sein. Wie oft schüttle ich in letzter Zeit ratlos den Kopf und frage mich, was Gott wohl mit dieser oder jener Situation vorhat. Wenn ich aber die Bibel ernst nehme, muss ich zu dem Schluss kommen, dass eine Grundhaltung der Dankbarkeit in allen Dingen, nicht nur in guten Zeiten, für einen Christen alternativlos ist.
«Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?», beten die Söhne Korachs (Ps. 42,6). «Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er mir hilft mit seinem Angesicht.»
Dem Diener Gottes, der diese Worte geschrieben hat, ist bestimmt nicht gerade nach Dank und Freude zumute. Aber er schafft es, nicht bei der Betrübnis seiner eigenen Seele stehen zu bleiben. «Ich werde ihm noch danken!», verkündet er. «Ich werde meine Seele wieder auf die Spur bringen!» Es geht hier um eine tiefe Dankbarkeit, die den Launen äusserer Umstände und der eigenen Gefühlswelt nicht hilflos ausgeliefert ist. Genau das betont auch Paulus in seinem Brief an die Christen in Thessalonich: «Freut euch allezeit! Betet unablässig! Sagt in allem Dank! Denn dies ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch» (1. Thess. 5,15–22).
Der Apostel schreibt hier an Christen, die wie der Verfasser des Psalms 42 in höchster Bedrängnis sind. In den eigenen Reihen kämpft diese junge Gemeinde in Thessalonich gegen exotische und gefährliche Irrlehren, während von aussen die Verfolgung der Nachfolger Jesu von Tag zu Tag schlimmer wird. Die Anweisungen von Paulus sind keine höflichen Empfehlungen für Superfromme, sondern Überlebensdirektive, ja Siegesrufe. Die Christen sollen mit Gottes Hilfe in der Lage sein, den Gefahren und sogar dem Tod mit erhobenem Haupt zu begegnen und dabei nicht zusammenzubrechen.
Eines ist sicher: Eine solche Haltung der Dankbarkeit kommt nicht von selbst! Sie ist wie ein innerer Muskel, der trainiert werden muss. Viele Helden und Heldinnen des Glaubens in der Bibel leben uns diese Haltung vor und geben Aufschluss darüber, wie sie sie selbst gelernt haben. Machen wir einen kurzen Streifzug durch einige entscheidende biblische Stationen auf dem Weg zu einem Lebensstil der Dankbarkeit!
Eine tiefere Dankbarkeit: «Wer bin ich ...?»
Die Bibel hat etwas Besseres zu bieten als blosse Motivationssprüche des positiven Denkens nach dem Motto: «Versuchen wir, aus einer bösen Situation das Beste zu machen.» Der Verfasser des Hebräerbriefes erinnert uns an den wahren Grund für unsere Dankbarkeit: «Deshalb lasst uns, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, dankbar sein, wodurch wir Gott wohlgefällig dienen mit Scheu und Furcht» (Hebr. 12,28).
König David kannte dieses «unerschütterliche Reich», das auch seinem Leben Halt und Sicherheit gab. Einmal hatte er – zumindest nach aussen hin – wenig Grund, dankbar zu sein. Die Erfüllung seines grössten Lebenstraums war in greifbare Nähe gerückt. Es war kein egoistischer Traum. Er wollte dem Herrn ein Haus bauen, einen sichtbaren Ort für die Herrlichkeit Gottes, eine göttliche Adresse auf Erden. Er wandte sich mit seinem Vorhaben an den Propheten Nathan, der von der Idee sofort angetan war und dem König grünes Licht gab (2. Sam. 7,3). Doch der Prophet hatte sich zu früh gefreut. Gott erschien ihm in einem Traum und stornierte den Plan. Nicht David, sondern sein Sohn sollte den Tempel bauen. Nathan eilte zum Palast, um David zurückzurufen: «Wenn deine Tage erfüllt sind und du dich zu deinen Vätern gelegt hast, dann werde ich deinen Nachwuchs, der aus deinem Leib kommt, nach dir aufstehen lassen und werde sein Königtum festigen. Der wird meinem Namen ein Haus bauen» (2. Sam. 7,12–13).
Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 7+8/2024
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