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von Jonathan Feldstein
Eckstein der islamischen Ersatztheologie
Eines der markantesten Bilder, die einem in den Sinn kommen, wenn man an Jerusalem denkt, ist das riesige Gebäude mit der goldenen Kuppel in der Mitte des Tempelbergs – der Felsendom. Aus architektonischer Sicht ein beeindruckendes Bauwerk, repräsentiert die al-Aqsa-Moschee aber nicht das, was Jerusalem ist oder sein sollte. Sie ist Teil einer Landschaft, die die Geschichte falsch wiedergibt.
Der Felsendom ist um einen massiven Felsen herum gebaut, der zu gross ist, als dass ihn jemand als Requisite dorthin hätte transportieren können, schon gar nicht im siebten Jahrhundert nach Christus, als das Bauwerk errichtet wurde. Auf Bildern lässt sich das leicht erkennen – und ich weiss es aus erster Hand, denn ich war tatsächlich im Inneren der Kuppel.
Früher war es für jüdische Touristen – und vermutlich auch für andere – kein Problem, den gesamten Tempelberg zu betreten. Aber irgendwann in den frühen 1980er-Jahren wurde Juden, Christen und anderen Nicht-Muslimen der Zutritt zu dieser Stätte untersagt. Früher konnten sie die heiligste Stätte des Judentums frei betreten, ohne eine Militäreskorte zu benötigen, oder dass man sie anschrie und ihnen Gewalt androhte; ohne dass der Vorsitzende der Palästinensischen Autonomiebehörde behauptete, sie würden den Tempelberg mit ihren «schmutzigen Füssen» verunreinigen.
Nach der biblischen Überlieferung, die sich auf Genesis 22 stützt, ist der Felsen, um den der Dom gebaut ist, der Ort, an dem Abraham von Gott aufgefordert wurde, «deinen einzigen Sohn, den du liebst, Isaak», herbeizubringen und «ihn dort als Opfer auf einem Berg zu opfern, den ich dir zeigen werde». Juden und Christen verstehen dies als Abrahams höchsten Akt des Glaubens.
Aber genau hier weicht der Islam von der biblischen Tradition ab. Dem Islam zufolge wurde Abraham aufgefordert, Ismael als Opfer zu bringen. Lässt man die wahre Bedeutung des Felsens ausser Acht und schafft eine neue Tradition, die der biblischen Erzählung und den historischen Fakten widerspricht, ist alles möglich.
Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 09/2022
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