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von Roland Gerth

El Hierro

– Kleinod im Atlantik.

El Hierro ist mit 278 Quadratkilometern die kleinste der Kanarischen Inseln. Trotz ihrer geringen Grösse ist sie ein Eiland der Gegensätze. Von sonnenverbrannten Lavaströmen sind es nur wenige Kilometer hinauf in die nördlichen Hochlagen, wo feuchttriefende Nebelwälder einen Hauch von Tropen verströmen. Nicht zuletzt wegen ihrer Vielfalt wurde im Jahr 2000 die ganze Insel von der UNESCO zum Biosphärenreservat ernannt, 2014 erhielt sie von der gleichen Organisation die Auszeichnung Geopark.

Bizarre Wacholderbäume

Ein wichtiger Grund für meine Reise nach El Hierro ist der Wald der Sadebäume (Juniperus sabina) auf der kargen Hochebene La Dehesa. Auf einem kurvenreichen Strässchen, das zuletzt in eine holprige Erdpiste übergeht, gelange ich dorthin. Gleich neben dem Parkplatz steht das bekannteste Exemplar, das vielfach auf Broschüren und Plakaten abgebildet ist. Das Besondere an diesem uralten Sadebaum ist seine Form. Mit seinem verdrehten Stamm und den Ästen, die nur auf einer Seite wachsen und sich bis auf den Boden senken, scheint er seit Jahrhunderten den Stürmen zu trotzen.

Ich befinde mich nun in El Sabinar, dem einzigen Wacholderwald auf der Insel. Auch die anderen Bäume zeigen bizarre Wuchsformen, welche sie den stetigen Winden zu verdanken haben. Dieses Phänomen ist einzigartig auf der Welt und hat diesen Wald so berühmt gemacht. Für mich ist dies der schönste Ort auf der Insel. Noch etliche Male fahre ich, frühmorgens und am späten Nachmittag, bei Gewitter und Sonnenschein, hinauf auf die Hochebene, um diese unter strengem Schutz stehenden Bäume wirkungsvoll mit der Kamera einzufangen.

Im Nebelwald

Ein anderer interessanter Waldtyp ist der Nebelwald am Rand des ehemaligen Kraters El Golfo. Dort oben wachsen Lorbeerbäume, Baumheide und Gagelbäume, dazwischen verschiedene Farnarten. Das üppige Grün hat der Wald der Bruma zu verdanken: Die während des Vormittags gebildeten Passatwolken kriechen langsam die Hänge hoch und verpacken die Landschaft in Watte. Dichte Nebelschwaden versorgen die Bäume mit der benötigten Feuchtigkeit und geben den ineinander verschlungenen, mit Moosen und Flechten behangenen Ästen ein mystisches Aussehen. Mittags ist der beste Zeitpunkt, um dieses Phänomen zu erleben. Es empfiehlt sich, diese Landschaft mit regenfester Kleidung aufzusuchen, denn der Nebel kondensiert an den Bäumen und fällt als feiner Nieselregen zu Boden.

Wie auf dem Mars

Neben der speziellen Vegetation sind es auch die überall anzutreffenden Spuren des Vulkanismus, die mir auf El Hierro so gefallen. Wenn ich auf der Schotterpiste zum Faro de Orchilla hinabfahre, erinnern der rotbraune Boden, die Berge und die fantastischen Gesteinsformen eher an eine Marslandschaft. In der Nähe des Leuchtturms gibt es eine mehrere hundert Meter lange Vulkanhöhle, die man mit einer Taschenlampe selbst erkunden kann.

Lesen und bewundern Sie die ganze Bildreportage in ethos 05/2020.

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