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von Nicola Vollkommer

Freude – Frucht, die nach Gott schmeckt

– eine Freude, die nicht von dieser Welt ist

«Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit» (Gal. 5,22) – so sieht die Frucht aus, die nach Gott schmeckt. Wer von uns schätzt nicht diese Eigenschaften in Menschen, mit denen wir eng zusammenleben und arbeiten – in der Familie, in der Gemeinde, bei der Arbeit? Und wer von uns sehnt sich nicht danach, selbst so ein Mensch zu sein?

Ein Jugendleiter hatte mit grossem Aufwand alle möglichen Tricks angewendet, um träge Jugendliche in das Gemeinde-Jugendtreffen zurückzulocken. Tischkicker, flotte Lobpreismusik, spannende Spiele, coole Aktionen und Ausflüge, WhatsApp-Aktionen. Ein Highlight jagte das andere. Irgendwann warf er frustriert das Handtuch. Es waren weniger Jugendliche bei seinen Abenden als je zuvor.

«Versuche es mit Freude», sagte ihm eine ältere Dame aus der Gemeinde.

«Wie, mit Freude?», konterte der Jugendleiter.

«Wo sammeln sich Jugendliche? Wo sammeln sich Menschen überhaupt?», antwortete die Dame. «Wo Freude herrscht, wo gelacht wird, wo Augen funkeln und Gesichter strahlen, wo die Luft mit fröhlichem Geplauder summt.»

«Kostet weniger Arbeit als aufwändige Aktionen», fügte sie schmunzelnd hinzu, «und kostet weniger. So angespannt und grimmig wie du wirkst, fühlt sich kein Jugendlicher von deinen Einladungen angesprochen! Und bringe immer Kekse und Knabbersachen mit! Wo gemeinsam gegessen und gefeiert wird, da bleiben die Leute ...»

Deftige Worte, aber irgendwie befreiend. Manchmal finde ich den riesigen Aufwand, mit dem Christen versuchen, ihre Programme durchzuziehen, ein gutes Bild von sich zu geben und das Interesse ihrer Menschen zu wecken, eher beklemmend. Mich erschreckte, als ein Hauskreisleiter einmal erzählte, er bräuchte einen ganzen Tag, um sich auf den Hauskreisabend vorzubereiten. Kein Wunder, dass er immer gestresst war und sich über zu viele Gemeindetreffen beklagte. Natürlich sind gut vorbereitete Programme nicht verkehrt – Schlampigkeit ist keine christliche Tugend! Gleichzeitig gilt aber das, was Christenkritiker Friedrich Nietzsche einmal gesagt haben soll: «Die Christen müssten mir erlöster aussehen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.» Das «Erlöst-Aussehen» ist vermutlich wichtiger als die Aktionen.

Ein anderer Ursprung

Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, für einen Christen sollte Freude das Alleinstellungsmerkmal schlechthin sein.

«Freut euch im Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch!», schreibt Paulus unmissverständlich an seine Freunde in Philippi (Phil. 4,4).

Dass diese Worte nicht in einem einmaligen Anflug von übergeistlichem Eifer geschrieben wurden, sondern ernst gemeint waren, unterstreicht Jakobus in seinen Sprüchen zum Thema Freude. Er geht sogar einen Schritt weiter: «Haltet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet», schreibt er an Christen, die es im Leben alles andere als einfach haben, «indem ihr erkennt, dass die Bewährung eures Glaubens Ausharren bewirkt» (Jak. 1,2–3).

Die vielen Einwände, die beim Lesen dieser Worte in mir aufsteigen, lassen nicht lange auf sich warten. Was, wenn ich nichts habe, worüber ich mich freuen kann? Ist das nicht pure Heuchelei? Muss ich Freude vortäuschen? Schauspielern? Wenn jemand, den ich liebhabe, gerade gestorben ist? Wenn eine Ehe oder die Beziehung zu einem Kind in die Brüche geht? Wenn ein christliches Dorf in Nigeria schon wieder niedergebrannt wurde? Menschen überall in der Welt für ihren Glauben verfolgt und drangsaliert werden? Wenn alles in unserer Gesellschaft, was jahrelang Halt und Orientierung gab, mit Füssen getreten wird, und die Hoffnung schwindet, dass es jemals wieder besser werden könnte?

Eines wird gleich klar. Hier handelt es sich um eine Freude, die tiefer geht und einen anderen Ursprung hat als die Freude, die ich empfinde, wenn endlich Schulferien sind, wenn eins meiner Bücher neu aufgelegt wird oder jemand mir sagt, dass etwas, was ich geschrieben habe, eine Ermutigung war.

Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 10/2022

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