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von Rudolf Möckel

Geheimnisvolle «Magier»

Weshalb der Bericht vom hohen Besuch aus Nahost im Weihnachtsgeschehen? Eine beispiellose Suche wird von Erfolg gekrönt.

Kaum ein Bericht der Bibel ist so bekannt, hat die Fantasie der Menschen derart angeregt und ist so stark von hinzugefügten Erfindungen entstellt und überzeichnet worden wie der Bericht von den Magiern aus dem Osten.

Im Mittelalter entstand die Legende, die Magier seien heilige Könige gewesen. Das ist Unsinn, davon steht nichts in der Bibel! Dann heisst es, sie seien insgesamt zu dritt unterwegs gewesen. Aber die Bibel nennt ihre Anzahl nicht. Es können drei oder elf oder auch 22 gewesen sein. Wir wissen es einfach nicht! Weiter sollen die Reisenden aus dem Osten angeblich Kaspar, Melchior und Balthasar geheissen haben. Aber auch das ist pure Spekulation! Die Bibel gibt ihre Namen nicht preis. Trotzdem wird bis heute das Märchen von den «drei Heiligen Königen Kaspar, Melchior und Balthasar» munter verbreitet. Hilfreich ist das nicht.

Bedeutende Leute

Wer waren diese geheimnisvollen Magier wirklich? Woher kamen sie? Was haben sie in den Weihnachtsberichten zu suchen? Und warum tauchten sie überhaupt in Bethlehem auf?

Das griechische Wort magos (Einzahl) oder magoi (Mehrzahl) bezeichnet eigentlich keinen Beruf. In vielen Bibelübersetzungen wird das Wort magoi mit «Magier» übersetzt, mit «Weisen» oder auch «Sterndeutern», und das ist auch gar nicht so falsch. Aber eigentlich ist das Wort magoi genauso unübersetzbar wie etwa «die Bayern». Das können Sie ja auch nicht übersetzen, oder? Die Magoi waren, wie die Bayern, eine Volksgruppe innerhalb eines Volkes, nämlich der Meder. Und diese Volksgruppe nannte man halt die Magoi. Sie kamen in der Tat aus dem Osten und lebten dort, nämlich im Land Medien, im Gebiet des heutigen Iran/Irak.

Was aber zeichnete diese Volksgruppe der Magoi aus? Was war das Besondere an ihnen? Nun, sie waren Leute mit viel Macht, allerbesten Verbindungen, international vernetzt und hatten Geld. Ihr Einfluss auf alles, was in ihrem Land und weit darüber hinaus politisch passierte, war gross.

Sie waren auch die mit Abstand besten Wissenschaftler ihrer Zeit. Sie verfügten über detailliertes Wissen in den Bereichen der Naturwissenschaften, der Astronomie, der Astrologie, der Landwirtschaft, der Architektur, der Geschichte, der Mathematik und der Politik. Kein Wunder also, dass man sie «Weise» nannte oder – wegen ihres Hangs zur Astrologie – auch «Magier». Ihre Macht war äusserlich unauffällig, ohne Pomp, aber sehr wirksam. Sie konnten Könige stürzen lassen oder unkontrollierbare Bürgerkriege anzetteln, wenn sie es wollten. Niemand im Land Medien oder einem seiner Nachbarländer konnte ohne ihre Zustimmung König werden. Kein Richter und kein Politiker konnte sein Amt antreten und ausüben ohne ihr «Ja». Die Magoi waren etwas sehr Besonderes. Sie waren zu Recht geachtet und gefürchtet! Denn sie machten wirklich grosse Politik.

Wissen mit Folgen

Aber das Allerwichtigste: Die Magoi kannten Teile der Bibel! Dazu muss man wissen, dass das Volk der Juden 600 Jahre vor der Geburt Jesu eine Zeit der Gefangenschaft im Land Babylonien erlebte. Einer, der damals dabei war, ein jüdischer Mann namens Daniel, schaffte den Aufstieg. Er gelangte in die unmittelbare Nähe des damals regierenden Königs und konnte ihm wertvolle Dienste leisten. Zum Dank machte ihn König Nebukadnezar zum obersten Chef der Magoi, die in Babylonien grössten Einfluss hatten.

Die Magoi damals achteten Daniel sehr, und sie lernten durch ihn verschiedene Bücher des Alten Testamentes kennen, sehr wahrscheinlich auch die Bücher der Propheten Jesaja und Micha. Es ist damit so gut wie sicher, dass es zur Zeit der Geburt Jesu in den Ländern des Nahen Ostens Magoi gab, die etwas von Gott wussten. Sie hatten von den Propheten des Alten Testaments gelernt, dass die Geburt eines von Gott gesandten Messias, eines Retters, bevorstand. Das heisst: Unter den Magoi, die zur Zeit der Geburt von Jesus lebten, gab es einige, die etwas vom Gott der Bibel wussten und auf der Suche nach ihm waren.

Also fragen sie darum nach dem neugeborenen König der Juden.

Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 12/2019.

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