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von Sabine Kähler

Gott liebt mich!

Nur noch eine Phrase, tausendmal gehört und abgenickt, aber innerlich unberührt von dieser sagenhaften Wahrheit?

Kinderstunde am Sonntagmorgen. Im Halbkreis vor mir sitzt die Kinderschar, erwartungsvolle Blicke auf mich gerichtet – heute erzähle ich die biblische Geschichte. Doch bereits nach den ersten Sätzen geht ein kollektives Aufstöhnen durch die Gruppe, Schultern sacken herab, Gesichter schauen gelangweilt – die Geschichte kennen wir schon! Ich bin gewaltig herausgefordert, sie so zu erzählen, dass auch «alte Hasen» aufmerksam zuhören und sich wieder neu von der biblischen Begebenheit begeistern lassen.

Ganz ehrlich, uns Erwachsenen geht es oft ähnlich. Viele biblische Wahrheiten haben wir schon so oft gehört, dass sie uns innerlich kaum noch bewegen. Es bleibt nur ein müdes «weiss ich längst» übrig. So erging es mir auch mit der Aussage: «Gott liebt dich!»

Liebe – die Essenz unseres Lebens

Im Radio hören wir Liebeslieder, viele Filme und Romane handeln von der Liebe, die Sehnsucht nach Liebe durchdringt unser Leben. Wer geliebt wird, gewinnt an Bedeutung, erfährt Beachtung, ist gewollt und gefragt. Das ist natürlich überaus schön – besonders wenn die Liebe auf Gegenseitigkeit beruht. Und doch: Die Liebe, die wir kennen, von der wir singen oder über die wir in Büchern lesen, unterscheidet sich ganz wesentlich von der Liebe Gottes.

Menschliche Liebe ist in der Regel an Bedingungen geknüpft. Die Beziehung baut auf Gegenseitigkeit, der Partner wird geliebt, weil er so ist, wie er ist – aber auch, weil er uns gibt, was wir brauchen. Manch eine Liebe ist schnell wieder vorbei, wenn der einstmals geliebte Mensch uns nicht mehr liebenswert erscheint, weil er nicht (mehr) nach unseren Bedürfnissen fragt und nur sich selbst im Blick hat.

Es wundert nicht, dass wir Mühe haben, Gottes vollkommene, bedingungslose Liebe zu begreifen, haben wir sie doch in unserem Umfeld kaum kennengelernt. Wir leben, damit wir geliebt werden, und nicht, weil wir geliebt werden.

Was macht uns liebenswert?

Schon früh lernen wir, dass gute Leistungen mit liebevoller Zuwendung und Lob belohnt werden. Oft geben wir das unbewusst auch an unsere Kinder weiter: Ein Kind, das schön brav mit seinen Bauklötzen spielt, werde ich eher mit Schokolade belohnen als eines, das mir die Klötze an den Kopf wirft oder nicht aufräumen will. Das Denken, sich das Wohlwollen und die liebevolle Zuwendung des anderen verdienen zu können, ist in vielen Menschen tief verankert.

Die Welt unterscheidet zwischen Könnern und Nichtkönnern, zwischen Erfolgreichen und Verlierern. Man wird beurteilt nach dem, was man kann, was man besitzt und leistet. Anerkennung und Wert wollen erarbeitet, erkämpft sein. Und was passiert mit dem Sportler, der zu wenig Leistung bringt? Dem Trainer, dessen Mannschaft das vierte Mal in Folge verloren hat? Dem Berufstätigen, der den Anforderungen der Firma nicht gerecht wird? Ausgewechselt, gefeuert, entlassen. Es gilt: Du bist nur so viel wert, wie du leistest.

Hin und wieder besuche ich eine Schule für behinderte Kinder. Dort habe ich einige Eltern und deren Kinder kennengelernt, z. B. den kleinen Jungen, der weder sehen noch hören kann, nicht sitzen, nicht essen, nicht greifen ... Aber ich beobachte und erlebe: Er ist geliebt. Er wird umsorgt, getragen, gehegt und liebkost, darf sein, wie er ist, und muss keine Leistung bringen – geliebt und wertvoll um seiner selbst willen.

Auch über unserem Leben liegt ein Glanz – denn wir Menschen haben einen Wert, den wir nicht ermessen können. Ganz ohne unser Zutun sind wir unendlich kostbar in den Augen des Einen, so sehr, dass Er für uns etwas getan hat, was in Ewigkeit Bestand hat.

Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 05/2018.

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