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von Alexander vom Stein

Göttliche Architektur im Tierreich

Der 200-Tonnen-Blauwal und die 2 Cent grosse Spitzmaus haben sich der Evolutionstheorie zufolge aus einem gemeinsamen Vorfahren entwickelt. Makroevolution also – oder doch Gottes wunderbarer Bauplan?

Da der Mensch im Bild Gottes erschaffen wurde und seinen Verstand von Gott erhielt, ist es legitim und naheliegend, in Bezug auf «Verstandesleistungen» wie kreatives und planerisches Handeln, vom Geschöpf auf den Schöpfer zu schliessen. Tatsächlich lassen sich durch die Vielfalt der Lebensformen hinweg atemberaubende ingenieursmässige Konzepte erkennen, und es ist beeindruckend, zu studieren, wie ein umfassender Bauplan, zum Beispiel derjenige der Säugetierklasse, in verblüffend unterschiedlichen Varianten ausgeführt wurde. Eine Gegenüberstellung der «Klassenbesten» zeigt, dass der Schöpfer die physikalischen Grenzen des Möglichen im Grossen wie im Kleinen vollständig ausgereizt hat:

mini:maus

Die winzige Etruskerspitzmaus (Suncus etruscus), die auch in Israel vorkommt, und die Schweinsnasenfledermaus (Craseonycteris thonglongyai) sind nur ein paar Zentimeter gross und teilen sich den Miniaturrekord unter den Säugern. Mit einem Gewicht von weniger als drei Gramm sind sie leichter als eine 2-Cent-Münze. Dies ist eine Grös­senordnung, bei der Warmblüter einen enormen Energieumsatz leisten müssen, um ihre Körpertemperatur aufrechtzuerhalten und nicht auszukühlen. Mit bis zu 900 Atemzügen pro Minute pumpen sie Sauerstoff in ihre kleinen Körper, in denen ein rasendes Herz in der gleichen Zeit 1500 Mal schlägt und das Blutvolumen von drei bis vier Tropfen durch ein Netz feinster Äderchen jagt. Trotz ihrer Winzigkeit entspricht ihre gesamte Anatomie, angefangen von den Blutgefässen, Organen, Nerven, Muskeln und Skelettstrukturen, bis hin zu den drei Gehörknöchelchen, den kleinsten Knochen überhaupt, dem Grundmuster aller Säugetiere. Wegen der hohen Stoffwechsel­intensität sind diese «Minimäuse» ständig auf der Suche nach Nahrung und kennen keine regulären Ruhephasen. Wenn sie nicht genug zu fressen finden, reduzieren sie ihre Körpertemperatur drastisch und fallen in eine Hungerstarre. Verwandte Spitzmausarten, die dazu nicht in der Lage sind, verhungern, sobald sie zwei Stunden keine Nahrung aufnehmen.

Die natürliche Lebenserwartung ist weder für die Etruskerspitzmaus noch für die Schweinsnasenfledermaus genau erforscht, liegt aber vermutlich unter zwölf Monaten.

mega:meeressäuger

Am anderen Ende des Spektrums schwimmt der Blauwal (Balaenoptera musculus), das grösste lebende und jemals existierende Tier. Mit einem Gewicht von 200 Tonnen und einer Körperlänge von bis zu 33 Metern (beides Rekordwerte) ist dieser Riese fast 100 Millionen Mal schwerer als die beiden Minisäuger. Alles an ihm ist gigantisch. Sein Herz kann bis zu 1000 Kilogramm wiegen, hat die Grösse eines Autos und schlägt höchstens 20 Mal pro Minute. Auf seinen Wanderungen taucht er etwa alle zwei Minuten auf, um einen Atemzug zu machen, unter Wasser kann er die Luft aber ohne weiteres auch bis zu 20 Minuten lang anhalten. Durch seinen Körper fliessen 7000 Liter Blut, die Hauptschlagader hat den Durchmesser eines Abwasserrohrs. Einen Grossteil des Tages verbringt er damit, in einer mittleren Tiefe von 100 Metern winzige Kleinkrebse (Krill) zu verschlingen. Er schwimmt dabei mitten in einen Schwarm, saugt das gewaltige Volumen von 80 000 Litern Meerwasser in seine Ausklapp-Bar, filtert die darin zappelnden Krebschen mit seinen langen Barten heraus und drückt sich den Fang mit der Zunge in den Schlund. Ein solcher «Schluck» aus einem dichten Schwarm beschert ihm eine Energiemenge von 2 Millionen Kilojoule, was 85 Kilogramm Schokolade entspricht – eine Mega-Praline! Die typische Tagesration besteht aus etwa 40 Millionen dieser Tierchen, ein Menü aus 3000 Kilogramm «Meeresfrüchten». Allerdings kann der Blauwal im Extremfall auch von seinen Reserven leben und 10 Monate lang fasten – das schafft kein anderer Säuger.

Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 03/2025

 

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