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von Interview: Daniela Wagner
Hauptsache religiös?
Seit Hermann Hesse mit «Siddharta» die Indienbegeisterung entfachte, liegt die Reise in den Buddhismus im Trend. Auch der Holländer Martin Kamphuis lässt sich acht Jahre lang mit Geist, Körper, Seele und allen Sinnen auf den tibetischen Buddhismus ein. In Indien und Nepal unterwirft er sich in Klöstern der strengen Lehre der Mönche und Gurus. In Europa kostet er von den Früchten der Kreuzung zwischen dem Buddhismus und dem farbig schillernden Gedankengut von New Age und Esoterik. Martin Kamphuis über den Dalai Lama: «Die Ausstrahlung des tibetischen ‹Gottkönigs› setzte mich während einer persönlichen Begegnung 1996 in einen nahezu ekstatischen Zustand. Er wurde einer meiner Gurus. Fast acht Jahre lang folgte ich dem Rat, den er einer verzweifelten Frau während einer öffentlichen Lesung gab: ‹Versuche es, versuche es immer wieder!›»
Du bist im Jahr 1982 nach Indien gereist, das war zu der Zeit noch recht ungewöhnlich. Was war dein Beweggrund dafür?
Martin: Ja, ich war einer der Ersten. Damals war alles noch sehr ursprünglich indisch, von westlichen Ländern kaum beeinflusst.
Ich hatte mit meinem Psychologiestudium angefangen. Für weiterführende Arbeiten sucht man sich oft recht exotische Themen aus. Ich wählte Sexualität im tibetischen Buddhismus − das interessierte und faszinierte mich. Ein Nachbarsmädchen war in Indien gewesen, dann Buddhistin geworden und erzählte mir recht hochtrabend von Erleuchtung. Da ich auf der Suche nach dem Sinn des Lebens war, wollte ich mehr darüber erfahren und mir auch für meine Arbeit nicht nur theoretisches Wissen anlesen.
Wolltest du mit dem Psychologiestudium auch dem Sinn des Lebens auf die Spur kommen?
Ja, das war der Hauptgrund. In mir war eine starke, innere Sehnsucht.
In Holland, wo ich aufgewachsen bin, kamen nach den 68er-Jahren andere Werte auf. Bei der Jugend in Amsterdam war es zu jener Zeit normal, etwas Drogen zu nehmen. Alles ein bisschen freier, das war damals schon angesagt. Drogenabhängig wollte ich natürlich nicht werden. Es hiess, man könnte im Buddhismus ähnliche Erfahrungen machen wie bei einem Drogenrausch. Das wollte ich ausprobieren!
Bist du schleichend in diese Ideologie reingewachsen oder war da ein bestimmter Punkt, wo du dich bewusst für den Buddhismus entschieden hast aufgrund von plausiblen Fakten?
In Nepal besuchte ich einen Anfängerkurs in Buddhismus, organisiert von einem tibetanischen Lama. Wir waren etwa 150 westliche Leute, die sich verpflichteten, für einen Monat nach den Regeln des Klosters zu leben und diese in Gehorsam zu befolgen. Wir hatten täglich Unterricht, meditierten und lernten so den Buddhismus kennen − und doch viel intensiver als das, was hier im Westen präsentiert wird.
Uns wurde gesagt, wir sollen meditieren und uns nicht auf etwas Bestimmtes konzentrieren. Den Geist freilassen. Dann kamen die ersten Erfahrungen von Schweben, was als leidensfreie Erleuchtungserfahrung gedeutet wird. Am Ende des Kurses hatten wir die Möglichkeit, uns dem Buddhismus zu weihen, und soweit ich mich erinnern kann, machten das auch alle, die dabei waren. Der Lama führte mit uns ein Ritual durch und gab uns einen neuen Namen, dies war der förmliche Übergang. Hier im Westen wird es kaum so praktiziert.
Was für Konsequenzen sollte diese Entscheidung auf deinen Lebensstil haben? Gab es da Vorgaben?
Im Unterricht legte man uns nahe, täglich zu meditieren. Bei manchen Ritualen verpflichtete man sich dazu, eine geplante Zeit der Zurückgezogenheit und der Meditation einzuhalten. Ich blieb danach noch länger in diesem Kloster. Es befand sich auf einem Berg, fernab jeglicher Zivilisation – ein ziemlich magischer Ort.
Du bist dann aber wieder zurück nach Holland?
Ja, ich verspürte einen Auftrag, den Buddhismus im Westen zu leben.
War dein Antrieb, ein besserer Mensch zu werden?
Ja und Nein. Der Buddhismus lehrt dies anders: Du bist niemand und nichts und dazu musst du mittels Meditation durchdringen. In einer Erfahrung der Erleuchtung löst du dich darin komplett auf. Ich hatte bereits einige Erfahrungen gemacht, die ich als so etwas wie glückselig empfand. Es gab mir eine Art Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein. Aber letzten Endes hiess es dann doch immer, dass jede gute Erfahrung und jedes gute oder schlechte Gefühl nicht die Erleuchtung selbst sei. Sie sei vielmehr ein Zustand frei von jeglichen Gefühlen, sozusagen ein Zustand der «Selbstauflösung».
Lesen Sie das ganze Interview in ethos 03/2022
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