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von Christian Heeb
Herbst in den Rocky Mountains
Die Rocky Mountains im Westen der USA sind im Herbst ein besonders attraktives Reiseziel. Von Mitte September bis Mitte Oktober kann man, je nach Höhenlage und Standort, eine prächtige Herbstfärbung erleben. Die Espenwälder in Colorado und Wyoming erstrahlen dann in leuchtenden Gelb- und Orangetönen. Es ist auch die Zeit der Hirschbrunft und grosse Herden von Hirschen und Bighorn-Schafen sind zu beobachten.
Auf dem Parkplatz eines Supermarkts in Estes Park am Rande des Rocky Mountain National Parks in Colorado herrscht reges Treiben. Es ist Brunftzeit und die mächtigen Hirsche (Cervus canadensis) stellen gerade ihren Harem zusammen. Ein besonders grosser trabt vor uns über die Weide, die direkt neben dem asphaltierten Parkplatz eines Supermarktes liegt. Das mächtige Tier rennt schnaubend hin und her. Neben mir stehen Touristen in kurzen Hosen und versuchen, mit ihren Handys Fotos zu machen. Plötzlich rennt der Hirsch direkt auf uns zu und die Leute springen in alle Richtungen davon. Ich trete hinter mein Auto und schaue der flüchtenden Menschenmenge hinterher. Der Hirsch wendet und kehrt zu den Weibchen zurück. Es war lediglich ein Scheinangriff.
Der Rocky Mountain National Park liegt in der Nähe der Metropole Denver mit ihren ausufernden Vororten. Daher ist der Park vor allem an Wochenenden stark besucht. Wir fahren westwärts über die berühmte hochalpine Trail Ridge Road, eine an die Alpen erinnernde Hochstrasse mit grandiosen Ausblicken über scheinbar endlose Berglandschaften. Im westlichen Teil des Parks folgt die Strasse dem kleinen Fluss, der dem mächtigen Colorado River entspringt. Er schlängelt sich durch ein sumpfiges Tal und ist überall von Biberdämmen gestaut. Oft sieht man hier Elche, aber heute bekommen wir die gemütlich aussehenden Vegetarier erst im nahe gelegenen Ort Grand Lake zu Gesicht. Hier ziehen riesige Bullen mit mächtigen Schaufeln quer durch das Touristenstädtchen. «Sie sehen so friedlich aus», sagt meine Frau, und tatsächlich meint man, sie streicheln zu können.
Wie bei allen Wildtieren sollte man aber auch bei Elchen den nötigen Abstand einhalten. So mancher Fotograf musste sich in höchster Not auf einen Baum retten, wenn ein Elchbulle genug von dem aufdringlichen Kameramann hatte.
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