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von Daniela Wagner

«Ich möchte Gottes Gnade  verkünden und andern damit Hoffnung geben!»

Jesse Keep (20-jährig) litt als Baby an Augentumoren. Beide Augen mussten ihm entfernt werden und so ist er seit seinem vierten Lebensjahr blind (in ethos 5/2018 erzählten seine Eltern im Interview davon). Heute spricht der begabte junge Mann mit ethos darüber, wie er mit seiner Behinderung umgeht und was seine Lebensziele sind.

Jesse, seit deinem vierten Lebensjahr bist du blind. Kannst du dich an Farben oder Formen erinnern, daran, wie deine Umgebung, deine Eltern und deine Geschwister aussehen? Hast du davon noch Bilder im Kopf?

Jesse Keep: Ja, ich erinnere mich an die Farben, wenn ich nicht zu angestrengt darüber nachdenke. Ich weiss noch, dass ich bestimmte Farben lieber mochte als andere. Was meine Familie angeht, so habe ich noch eine Ahnung, wie sie aussehen – ausser bei meinen beiden Schwestern, die nach meiner Erblindung geboren wurden. Meine Mom macht Witze, das Positive daran sei, dass ich sie immer als junge Frau in Erinnerung haben werde!

Ist es leichter, dich in deiner Umgebung zurechtzufinden, da es ja eine Zeit gab, in der du sehen konntest? Wie orientierst du dich heute? Hast du einen Blindenhund?

Ich bin mir nicht sicher, ob es leichter ist, weil ich früher gesehen habe. Ich versuche allerdings, vor allem in mir fremden Umgebungen, sehr aufmerksam zu sein, indem ich mir beim Hören an neuen Orten besonders Mühe gebe. Wenn ich mich dann einmal an einem neuen Ort zurechtgefunden habe, vergesse ich das normalerweise nicht mehr. Vor fast einem Jahr bekam ich einen Blindenhund. Dadurch hat sich sehr viel gebessert. «Nala» ist eine riesige Hilfe für mich. Zum Beispiel warnt sie mich davor, gegen Hindernisse zu stossen, zeigt mir, wo Stufen sind, und findet immer die Ein- und Ausgänge, wenn ich sie frage.

War dir im Laufe deiner Kindheit bewusst, dass du vieles, was für deine Geschwister selbstverständlich war, nicht tun konntest?

Nicht wirklich. Meine Eltern fanden immer Möglichkeiten, dass ich an den Aktivitäten meiner Geschwister teilnehmen konnte. Mein älterer Bruder Tim war gut darin, mir lustige Kindheitserlebnisse zu ermöglichen. Als wir kleiner waren, half er mir einmal (ohne das Wissen meiner Eltern), auf einen fünfeinhalb Meter hohen Sternapfelbaum zu klettern, der auf den Philippinen in unserem Garten stand. Ich war begeistert, so hoch zu klettern und mich wie andere Kinder zu fühlen. Meine Mom bekam fast einen Herzanfall, als sie mich so hoch oben im Baum sah. Aber mein Dad fand das grossartig!

Meine Eltern sind auch mit mir schwimmen gegangen. Mom zeigte mir, wie man vom Sprungbrett springt. Und Dad liess mich versuchen, Wasserski zu fahren. Ich hab es sogar ziemlich lange geschafft, oben zu bleiben. Meine Mom erwartete von mir dieselbe Mithilfe im Haushalt wie von meinen Geschwistern. Ich lernte schon von klein auf, wie man putzt, das Bett macht und Geschirr spült.

Wie hast du deine Krankheit erlebt? Wie wirkte sie sich auf euer Familienleben aus?

Ich erinnere mich, dass ich als kleines Kind viel Zeit im Krankenhaus verbracht habe, vor allem an die netten Krankenschwestern, die mich mit Eis verwöhnten. Ich erinnere mich auch an schmerzhafte Eingriffe, genauso wie an einen grossen Regenbogen auf der einen Seite des Krankenhausgebäudes und daran, dass meine Eltern immer an meiner Seite waren. Sie gingen nach schweren Tagen mit mir in den Geschenkeshop des Krankenhauses, wo ich mir eine kleine Belohnung aussuchen durfte.

Deine Eltern haben eine lebendige Beziehung zu Jesus. Wie sieht das bei dir aus?

Meine Eltern haben mir immer von Jesus erzählt, dass man ihn wirklich kennenlernen und eine Beziehung mit ihm haben kann. Ich habe ihm mein Leben übergeben, als ich etwa 12 Jahre alt war. Solange ich lebe, möchte ich ihm nachfolgen.

Stelltest du dir je die Frage: «Warum ist dies gerade mir passiert?», oder: «Warum hat Gott mich nicht geheilt?»

Jetzt nicht mehr, aber meine Eltern erinnern sich an meinen Ärger und die Fragen, die ich kurz nach der Erblindung hatte. Gott hat mein Herz von der Bitterkeit und der Wut geheilt. Seitdem hadere ich nicht mehr mit der Frage nach dem Warum. Ich akzeptiere mein Blindsein als Teil von mir und liebe das Leben.

Lesen Sie das ganze Interview in ethos 06/2018.

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