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von Roland Antholzer

Ist Sünde ein Verhaltensproblem?

Oder: Wie gelingt der Kampf gegen die Sünde?

Du sollst ...», «Du sollst nicht ...» – so verlangt es das Gesetz. Viele Christen betrachten Sünde deshalb in erster Linie als Verhaltensproblem. Konsequenterweise bemühen sie sich, das eine oder andere zu tun oder zu lassen.  

Auf Niederlage abonniert

Was aber geschieht, wenn ich mich auf die sündige Handlung konzentriere und versuche, sie in den Griff zu bekommen? Manchmal mag es mir durchaus gelingen, sie zu vermeiden. Insgesamt mache ich aber eher die Erfahrung, dass diese Sünde mich immer stärker beherrscht. Denn das Gesetz geht mit der Sünde eine Partnerschaft ein und zusammen sind sie für mich unüberwindbar. Paulus formulierte diesen Zusammenhang so: «Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft der Sünde aber ist das Gesetz» (1. Kor. 15,56). Und: «Da nahm aber die Sünde einen Anlass durch das Gebot und bewirkte in mir jede Begierde; denn ohne das Gesetz ist die Sünde tot» (Röm. 7,11). Wenn es das Gesetz ist, das der Sünde erst Kraft verleiht, wie soll es dann möglich sein, die Sünde mittels des Gesetzes zu überwinden? Der Weg über das Gesetz, das mir sagt: «Du sollst nicht ...», ist auf Niederlage abonniert.

Eine Frage der Beziehung

Für den wiedergeborenen Christen ist Sünde kein Verhaltensproblem, sondern vielmehr ein Beziehungsproblem. Denn wenn ich sündige, ist meine Beziehung zum Herrn gestört. Was nun? Statt mich intensiv mit der Sünde zu befassen, richte ich meinen Fokus auf meine Beziehung zu Jesus. Ich bekenne ihm meine Sünde und erinnere mich daran, wer und was ich in Christus bin: heilig, gerecht, vollkommen gemacht, Kind Gottes, usw. Es wird mir klar: Meine wahre Identität und die Sünde passen nicht zusammen.

Ist mir wirklich bewusst, wer Jesus für mich geworden ist und was er für mich getan hat? Wenn es mir ein Opfer scheint, die Sünde hinfort zu lassen, führe ich mir vor Augen, wie Jesus sich entäussert hat, wie er seine Herrlichkeit verlassen und sich in die denkbar grösste Niedrigkeit begeben hat. Das alles setzt in mir eine Motivation frei, die in der Liebe zu meinem Herrn gründet. Auf diesem Weg wird die Sünde überwunden – nicht durch mich, sondern durch meinen Herrn, der in mir lebt.

Freiheit (er)leben

Acht Jahre arbeitete ich als Psychologe in einer Fachklinik für Suchtkranke. Da es sich um eine christliche Einrichtung handelte, befanden sich dort auch alkoholkranke Männer, die gläubig waren. Nie sagte ich zu ihnen: «Ihr müsst frei werden.» Vielmehr versuchte ich ihnen nahezubringen, dass sie in Christus bereits frei sind, aber nicht so leben, wie man es von einem freien Menschen erwarten würde. Ich sagte etwa Folgendes: «Sie müssen sich entscheiden, ob Sie die Freiheit, zu der Christus Sie befreit hat, in Anspruch nehmen wollen. Das setzt allerdings voraus, sich für immer vom Alkohol zu verabschieden. Wenn Sie sich dazu entscheiden, das loszulassen, was Sie bindet, werden Sie die Freiheit erfahren.»

Bei der Sucht wie auch allgemein bei der Sünde geht es darum, geistliche Realitäten (z. B. «Ich bin frei gemacht», «Ich bin der Sünde gestorben») zu erkennen und sie für sich im Glauben anzunehmen – mit allen Konsequenzen. Die Folge ist:  Ich entscheide mich gegen das, was mich bindet. Nehmen wir als Beispiel die Pornografiesucht, die ja immer mehr um sich greift und der leider auch Christen verfallen sind. Entscheidend ist, dass sich der Betroffene zunächst seiner Identität in Christus bewusst wird. In Ihm ist er ein freier Mensch. An die Pornografie hat er sich jedoch freiwillig gebunden. Die Freiheit liegt prinzipiell in seiner Hand.

Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 10/2020.

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