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von Roswitha Wurm

Lasst die Kinder Kinder sein!

Auch wenn wir unsere Kinder heute nicht mehr wie zu Kaiserzeiten in steifen Anzügen und Korsetten kleiden, laufen wir Gefahr, sie wie kleine Erwachsene zu behandeln. Von Entwicklungen, die in vielen Fällen kindliche Aggressionen bewirken.

«Amelie, möchtest du die Spaghetti mit oder ohne Sosse? Und wenn mit Sosse, soll ich sie neben oder auf die Nudeln geben – oder in eine Extraschüssel?» Die Dreijährige blickt ihre Mutter Marina fragend an. Dann sagt sie: «Keine Nudeln! Keine Sosse!» Marina seufzt: «Okay, dann koche ich dir eine Eierspeise!» Frustriert macht sich die junge Frau auf den Weg zur Küche, um sich erneut an den Herd zu stellen.

«Was unternehmen wir heute?», fragen Tom und Rita ihre drei Grundschulkinder am Samstagvormittag. «In den Zoo gehen!», «Ins Schwimmbad!», «Gar nirgends hin, daheimbleiben und spielen!» Der halbe Vormittag vergeht daraufhin, bis sich die Familie einigt, indem sie die Vorschläge der Kinder auf kleinen Zettelchen notiert und schliesslich das Los entscheiden lässt.

Sonntagmorgen. «Wollt ihr heute in den Gottesdienst fahren oder zu Hause einen Gottesdienst über Livestream ansehen?», fragt Mark, der heute im Musikteam Gitarre spielt. «Livestream!», rufen die Zwillingstöchter wie aus einem Munde. Ihre Mutter Anna fügt sich und bleibt ein wenig widerwillig mit ihren Kindern zu Hause. Wie sehr hatte sie sich auf die Gemeinschaft mit den anderen gefreut!

Oder erst vor wenigen Wochen beim Bücherstand am Christkindlmarkt auf dem Wiener Rathausplatz: Eine Mutter schiebt im Buggy ihre etwa eineinhalbjährige, dick eingepackte Tochter zum Stand. «Alissa, möchtest du dieses süsse Buch mit dem Bären? Schau, wie lieb der ist. Oder doch lieber das Buch mit dem kleinen Hasen?» Die kleine Alissa quäkt fröhlich vor sich hin. Sie greift nach dem nächstbesten Buch, das sie erwischen kann. Das Büchlein fällt auf den Boden. Die Mutter hebt es auf, währenddessen greift das kleine Mädchen nach einem weiteren Buch. Ihre Mutter blättert inzwischen interessiert in einem schön illustrierten Kinderbuch. «Ja, das wäre was für meine Tochter. Solch ein hübsches Buch. Ich glaube, das nehme ich.» Sie reicht es der Verkäuferin und bittet sie, es einzupacken. Da fängt Alissa, der inzwischen langweilig ist, zu quengeln an. Die Mutter fragt irritiert: «Willst du das Buch doch nicht?» Alissa schüttelt energisch den Kopf und beginnt zu schreien. Resigniert sagt die Mutter zur Verkäuferin: «Ich nehme das Buch doch nicht! Es gefällt meiner Tochter nicht.» Sie sucht mit ihrem schreienden Kind das Weite.

Szenen wie diese kommen uns leider nur allzu bekannt vor. Kinder werden vor Entscheidungen gestellt, die sie gar nicht treffen können – und es auch nicht müssen! Wozu haben sie Eltern?

Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 03/2023

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