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von ethos-Redaktion
Lebst du für deine Familie?
ethos: Du schreibst sehr ehrlich über deine eigene Überforderung und Ohnmacht als Vater und Ehemann. Was rätst du anderen Männern, die feststellen: «Ich kann meine Familie nicht aus eigener Kraft führen»?
Raphael Berger: Das Wichtigste ist sicher, nahe bei Gott und in seinem Wort zu bleiben. Die tägliche Stille Zeit muss ein unverzichtbarer Bestandteil des Alltags sein, auch wenn diese Zeit oft besonders angefochten ist. Sich nach einer durchwachten Nacht aufzuraffen, kostet definitiv Überwindung. Nicht selten sind auch die Kinder früher wach als geplant, was die Ruhe am Morgen durchaus beeinträchtigen kann. Auf der anderen Seite ist es aber auch schön und wertvoll, wenn die Kinder sehen, wie ihr Vater in der Bibel liest.
Was ebenso hilft, ist der Austausch mit Männern, die in derselben oder in ähnlichen Situationen sind. Gemeinschaft unter Männern kommt oft zu kurz. Sich zwischendurch bewusst Zeit dafür zu nehmen, ist ein Gewinn.
Sehr zu empfehlen sind auch gute christliche Bücher über Ehe, Familie, Erziehung und andere wichtige Themen. Sie lenken meinen Blick immer wieder aufs Wesentliche. Im Alltag mit all seinen Herausforderungen verliere ich rasch den Fokus. Gute Bücher helfen da und schärfen meinen Blick.
Warum fehlt heute deiner Meinung nach selbst in «traditionellen Familien» zunehmend ein Vater, der nicht einfach nur physisch anwesend ist, sondern sich für seine Familie hingibt und seine wichtige Rolle wahrnimmt?
Ein Grund ist sicher die Passivität von uns Männern, ein Problem so alt wie die Menschheit. Als der Teufel Eva im Paradies verführte, stand Adam daneben und machte – nichts! Er schwieg, als er hätte eingreifen müssen. Und so lehnen sich bis heute viele Männer zu Hause zurück und überlassen das Feld ihren Frauen, die das eben oft auch überaus gut machen, was Männer zusätzlich hemmen und verunsichern kann.
Natürlich ist diese Aufgabe extrem angefochten. Es widerstrebt dem Teufel zutiefst, wenn ein Mann seine Familie nach biblischen Prinzipien führen und leiten möchte. Deshalb steht er sehr weit oben auf seiner Abschussliste, er befindet sich «im Krieg», wie Steve Farrar es ausdrückt.
Der Zeitgeist ist ein zusätzliches Hindernis. Ein Mannsein, wie die Bibel es beschreibt, ist verpönt und seit langem unter Druck. Ob wir es wollen oder nicht: Auch wir sind Kinder unserer Zeit und passen uns dem Zeitgeist oft mehr an, als uns bewusst ist. Das führt auch dazu, dass jungen Männern je länger, je mehr die guten Vorbilder fehlen.
Und: Diese wichtige Rolle wahrzunehmen, kostet viel Zeit und Kraft. Ist man darüber hinaus noch im Beruf und in der Gemeinde eingespannt, hat man so gut wie keine Zeit mehr für sich selbst. Eigene Hobbies finden nur noch in sehr begrenztem Umfang statt. Bin ich bereit, mich zurückzustellen und mich in den Dienst meiner Familie zu stellen? Diese Frage muss sich ein Vater immer wieder stellen und neu beantworten.
Steve Farrar spricht vom Mann als «Frontmann» der Familie. Wie sieht geistliche Leiterschaft im Alltag konkret aus? Wie lebst du das?
Ich sehe mich hier absolut nicht als Vorbild, sondern eher als Lehrling mit viel Luft nach oben. Auch hier gilt: Geistliche Leiterschaft ist dem Teufel ein Dorn im Auge und deshalb extrem angefochten. Darum ist die persönliche Beziehung zu Jesus elementar. Ist diese intakt, kann geistliche Leiterschaft gelingen. Aber selbst dann beginnt der Widerstand oft, sobald man die Bibel oder ein geistliches Buch zur Hand nimmt.
Wie sieht es im Alltag konkret aus? Meiner Wahrnehmung nach ist Veränderung ein ständiger Begleiter dieser Leiterschaft. Die Kinder werden älter, Situationen ändern sich. Gemeinsame Zeiten muss man sich immer wieder erkämpfen. Von daher muss man flexibel sein und bleiben. Es ist ein ständiges Übungsfeld: Man startet mit etwas Neuem, muss es anpassen, scheitert an den eigenen Ansprüchen und nimmt es sich wieder von Neuem vor.
Wir handhaben es im Moment so, dass meine Frau den Kindern am Morgen aus einem Andachtsbuch etwas vorliest. Am Abend lesen wir entweder eine spannende Forsetzungsgeschichte oder Biografien von Glaubensmännern und -frauen. Dann beten wir entweder gemeinsam oder mit jedem einzeln an seinem Bett. Zudem motivieren wir die Kinder zu ihrer eigenen Stillen Zeit und unterstützen sie nach Möglichkeit. Zwei bis drei Mal in der Woche versuchen wir, eine Familienandacht zu machen.
Ich selbst wünsche mir, dass mein Glaube und meine Beziehung zu Jesus im Alltag sichtbar werden, dass ich mit meinen Kindern über Jesus spreche oder ihnen von dem erzähle, was ich mit Ihm erlebe. In der Realität scheitere ich aber immer wieder an diesem Wunsch. Über alldem bete ich einfach immer wieder, dass ich ein Wegweiser für meine Kinder sein darf und ihnen kein Hindernis bin.
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factum – Mensch. Natur. Glaube.
Neben ethos bringt der Schwengeler Verlag auch die Zeitschrift factum heraus. Das Magazin steht für die Themen Mensch, Natur und Glaube. Vielfältig, kompetent und verlässlich werden darin die Wurzeln moderner Zeiterscheinungen anhand der Bibel beleuchtet, was zu einem besseren Verständnis unserer Zeit beiträgt. Darüber hinaus finden sich Artikel über die Schönheit und Genialität der Schöpfung, die zeigen, dass es absolut plausibel ist, an einen Schöpfergott zu glauben.
open hands – Hoffnung, die hilft.
Das christlich-soziale Hilfswerk ist aus der Arbeit des Schwengeler Verlags entstanden. Ziel ist es, Menschen in Rumänien in ihrer geistlichen, materiellen und physischen Not zu helfen. Grundlage ist das Wort Gottes, die Bibel. Das Motto: Hilfe zur Selbsthilfe. Menschen werden damit zur Eigenverantwortung, zum Um- und Neudenken durch die Kraft des Evangeliums motiviert.