Uhr
von Karl Schwendener
Matera – Kulturhauptstadt Europas 2019
Was für eine Entwicklung! Erst noch stand die süditalienische Stadt als «nationale Schande» in Verruf, 1993 wurde sie «Unesco Weltkulturerbe» und 2019 zur «Kulturhauptstadt Europas» ernannt! Matera hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Schon früh siedelten hier erste Nomaden. Sie fanden in dieser Gegend Nahrung, Wasser und in den natürlichen Tuffsteinhöhlen Schutz vor Unwettern und Feinden. Seitdem war Matera durchgängig bewohnt. Neben dem syrischen Aleppo gilt sie als eine der ältesten Städte der Welt. Berühmtheit erlangte Matera durch seine «Sassi». Diese altertümlichen, in Felsen gegrabenen Höhlensiedlungen dienten zum Teil bereits vor Tausenden Jahren als Wohnraum. Im Mittelalter baute man Häuser davor. Die Höhlen im weichen Tuffstein wurden ständig neuen Bedürfnissen angepasst. So blieben Spuren von früher, die auf unterschiedliche Nutzungen hinweisen. Oft waren die Höhlen Kirchen, dann Keller mit Wein und Ölpressen, bevor sie Familien als Herbergen dienten. Die Felder lagen weit ausserhalb, die Bauern lebten in der Stadt. So mussten sie oft stundenlange Arbeitswege auf ihren Mauleseln zurücklegen.
Mit Kind und Kegel
Im 1945 erschienenen Buch «Christus kam nur bis Eboli» beschreibt der Schriftsteller Carlo Levi die Lebensumstände in der Stadt. Er schildert darin die grosse Armut und die unzumutbaren hygienischen Verhältnisse, in denen die Bevölkerung lebte. In dieser Zeit wohnten rund 15 000 Menschen in den alten Stadtteilen Sasso Barisano und Sasso Caveoso. Bis zu 15 Personen hausten in einer Grotte. Im hinteren Teil hielt man Maulesel, Ziegen, Schweine und Hühner, vorne schlief und kochte man. Die Kindersterblichkeit lag bei 50 Prozent.
Aufgrund der prekären Situation beschloss der italienische Staat in den 1950er-Jahren, alle Menschen, die sowohl in den Häusern als auch in den Höhlen der «Sassi» lebten, in extra dafür neu gebaute Viertel umzusiedeln. Die Höhleneingänge wurden zugemauert, die Sassi begannen zu zerfallen. Dagegen formierte sich in den 1960er-Jahren Widerstand, worauf man die Höhlen und Häuser fortlaufend renovierte. Auch viele Wandmalereien von Höhlenkirchen, über 1000-jährig, wurden erforscht und mussten erhalten werden.
Erfreuliche Entwicklung
Heute sind die Sassi wieder belebt und zum Anziehungspunkt Materas geworden. Moderner Lebensstil hat Einzug gehalten, von Armut ist fast keine Spur mehr zu sehen. Auch hat sich Matera zu einer Universitätsstadt entwickelt mit grossem Campus und vielen Fakultäten, die sich hier niedergelassen haben. Erfreulicherweise ziehen die jungen Leute nicht mehr weg wie früher, denn der Tourismus bietet viele neue Möglichkeiten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Lesen und betrachten Sie die gesamte Fotoreportage in ethos 02/2020.
Wir möchten Christen ermutigen, ihren Glauben zu leben und unserer Gesellschaft den Wertmassstab der Bibel aufzeigen.
Damit das gelingt, sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.
Neue News
Schulmedizin – Ein Auslaufmodell?
Die Schulmedizin steckt gerade in einer Vertrauenskrise. Ist sie reformbedürftig – oder bereits überholt? Sind alternative Heilmethoden die Lösung?
[mehr] Schulmedizin – Ein Auslaufmodell?Aus Satans Trickkiste: Zweifel säen
Während des Zweiten Weltkriegs wurde von allen Kriegsparteien viel Propaganda verwendet, um den Gegner zu schwächen.
[mehr] Aus Satans Trickkiste: Zweifel säenUnter dem Badehaus
In den königlichen Gärten von Isfahan im alten Persien stand einst ein prächtiges Badehaus. Du fragst dich vielleicht: Was ist ein Badehaus?
[mehr] Unter dem BadehausMehr entdecken
factum – Mensch. Natur. Glaube.
Neben ethos bringt der Schwengeler Verlag auch die Zeitschrift factum heraus. Das Magazin steht für die Themen Mensch, Natur und Glaube. Vielfältig, kompetent und verlässlich werden darin die Wurzeln moderner Zeiterscheinungen anhand der Bibel beleuchtet, was zu einem besseren Verständnis unserer Zeit beiträgt. Darüber hinaus finden sich Artikel über die Schönheit und Genialität der Schöpfung, die zeigen, dass es absolut plausibel ist, an einen Schöpfergott zu glauben.
open hands – Hoffnung, die hilft.
Das christlich-soziale Hilfswerk ist aus der Arbeit des Schwengeler Verlags entstanden. Ziel ist es, Menschen in Rumänien in ihrer geistlichen, materiellen und physischen Not zu helfen. Grundlage ist das Wort Gottes, die Bibel. Das Motto: Hilfe zur Selbsthilfe. Menschen werden damit zur Eigenverantwortung, zum Um- und Neudenken durch die Kraft des Evangeliums motiviert.