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von Roswitha Wurm

Mithilfe im Haushalt?

Sollen Mütter und Väter von ihren Kindern, die ohnehin in der Schule genügend gefordert sind, verlangen, im Haushalt mitzuhelfen? Wenn ja, mit welchem Ziel?

Gemütlich sitzt Rebekka auf dem Sofa und schmökert in ihren Lieblingszeitschriften. Ihre Kinder, Daniel (12) und Sara (8), räumen in der Zwischenzeit freiwillig und ohne Murren das Geschirr in die Spülmaschine. Lächelnd beobachtet Rebekka durch die offen stehende Küchentür, wie Sara die Tischplatte säubert. Daniel greift zum Besen und kehrt die am Boden liegenden Essensreste fort, während Sara bereits eifrig, mit Kübel und Wischmopp, den Küchenboden wischt. Rebekka fühlt sich wie eine Prinzessin und nicht wie eine geplagte Familienfrau und Mutter. Wie einfach ist doch das Leben! ...

Irgendwann erwacht Rebekka aus ihren Tagträumen und macht sich seufzend daran, die Küche nach dem Mittagessen wieder in den Normalzustand zu bringen! Daniel und Sara sind schon längst in ihre Zimmer verschwunden ...

Die Mithilfe der Kinder im Haushalt ist ein Thema, bei dem Traum und Wirklichkeit oft weit auseinanderklaffen. Kann man die Kids tatsächlich dazu bringen, gewisse Aufgaben zu übernehmen? Sollten Mütter und Väter das überhaupt von ihnen verlangen, da sie ohnehin in der Schule genügend gefordert sind? Je unsicherer Eltern sind, desto verunsicherter agieren die Kinder auch. Mithilfe sollte keine Kann-Option, sondern eine Selbstverständlichkeit sein, über die kein allzu grosses Aufsehen gemacht wird. Wichtig ist, dass Vater und Mutter sich einig sind, wie viel und wobei Mitarbeit erwartet wird.

 

Ab wann?

Grundsätzlich gilt: Je früher Kinder zur Mithilfe motiviert werden, desto selbstverständlicher empfinden sie ihre Mitarbeit.

Bei Kleinkindern ist grosse Geduld gefragt. Wer schon einmal mit einer Zweijährigen Kekse gebacken oder mit einem Dreijährigen das Badezimmer geputzt hat, weiss ein Lied davon zu singen. Dennoch machen sich solche Mithilfeversuche «bezahlt». Kinder, die früh in die Haushaltstätigkeiten mit einbezogen und nicht gleich geschimpft werden, wenn etwas schiefgeht, helfen später lieber mit. Eine angstfreie Atmosphäre ist daher die Basis für die (freiwillige) Mitarbeit. Wichtig: Die zu erledigenden Aufgaben müssen dem Entwicklungsstand des Kindes entsprechen. Dieser kann individuell stark schwanken.

Ab drei Jahren können Kinder Tätigkeiten wie Tisch decken, Geschirr abtrocknen, Blumen giessen und Wäschestücke (Handtücher, Unterwäsche) zusammenlegen mit Hilfe der Eltern verrichten. Dabei sollte ebenfalls der spielerische Effekt im Vordergrund stehen: Das Kind macht ein «Sockenpuzzle», wenn es die einzelnen Socken nach der Wäsche zu Paaren zusammenfügt. Beim Blumengiessen darf es die Kanne mit Wasser füllen, jeweils ein kleines Gläschen mit der Giessmenge für eine Pflanze abmessen und lernt dadurch, Mengen ab- und einzuschätzen. Beim Kochen darf es die richtige Menge abwiegen und beim Tischdecken lernt es, nach einem bestimmten Schema Gegenstände anzuordnen. 

Im Vorschulalter können Kinder bereits ihre Spielsachen aufräumen, mit Staubsauger und Besen sauber machen, Geschirrspülmaschine ein- und ausräumen, Wäsche aufhängen und in Begleitung eines Erwachsenen erste Einkäufe tätigen.

Ab dem Volksschulalter können sie ihr Bett selber machen, eigenständig Einkäufe erledigen, kleinere Mahlzeiten zubereiten, aufräumen, kurzzeitig auf jüngere Geschwister aufpassen, im Garten und zum Beispiel beim Schneeschaufeln mithelfen, Schuhe putzen, das Badezimmer und die Toilette reinigen und die Küche in Ordnung bringen.

(Artikelauszug aus ethos 6/2017)

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