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von Elisabeth Weise
Momfluencer
Auf einmal sind sie da, die vielen kleinen Herausforderungen des Alltags: Was tun, wenn mein Baby Blähungen hat? Mein Zweijähriges kein Gemüse essen will? Und welche Mode kaschiert am besten die von der letzten Schwangerschaft übrig gebliebenen Pfunde?
Junge Mütter haben tausend Fragen – und trotz eines ausgefüllten Alltags relativ viel Zeit. Was liegt da näher, als auf der Suche nach Antworten zu dem kleinen Gerät in der Hosentasche zu greifen, das ohnehin ständiger Begleiter im Alltag ist? Auf YouTube und in sozialen Netzwerken bieten sogenannte «Momfluencer» Informationen, Anregungen und Abwechslung für die manchmal eintönige Tagesroutine. Diese Mütter teilen online ihr Familienleben, geben Tipps zu allen möglichen Themen und bewerben nebenbei eine Fülle unterschiedlichster Produkte. Dabei kann jede Nutzerin der Mama folgen, deren Themen sie am meisten ansprechen: Ob Nachhaltigkeit, Bio-Ernährung, Selbstgebasteltes, Reisen, Mode ... für jeden Typ findet sich das passende Vorbild.
Du suchst eine chice Mutter von zwei Kindern, die dir Tipps rund um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt und dich mit aktuellen Modetrends versorgt? Findest du. Und auch die tatkräftige Mutti von fünf Kindern, die auf einem ausgebauten Bauernhof selbst Brot backt und ihre Familie aus dem eigenen Garten ernährt. Firmen haben diese Frauen längst als effektive Werbeträgerinnen entdeckt und sponsern gerne das nächste Video, in dem eines ihrer Produkte nebenbei auftaucht.
Inzwischen gibt es auch jede Menge christlicher Momfluencer, die das Anliegen haben, auf die besonderen Fragen gläubiger Mütter einzugehen. Wie schaffe ich es, trotz Baby eine tägliche Stille Zeit zu haben? Was kann ich tun, wenn mein Kind eine Einladung zu einem Hexengeburtstag bekommt? Welche Kinderbibel ist schon für die Allerkleinsten geeignet? Gläubige Momfluenzer geben neben Einblicken in ihren Familienalltag auch geistlichen Input. Man erfährt nicht nur, wie sie sich um ihre Kinder kümmern und welche Produkte sie verwenden, sondern auch, wie sie strittige Bibelverse verstehen und was sie zu bestimmten geistlichen Problemen raten. Auch hier hat man die Wahl zwischen verschiedenen Stilen, Schwerpunkten und theologischen Ausrichtungen.
Was ist zu diesem Trend zu sagen? Zunächst einmal ist das Bedürfnis, sich mit anderen Müttern in der gleichen Lebenssituation auszutauschen und voneinander zu lernen, sehr verständlich und völlig legitim. Das haben wir Frauen im realen Leben schon immer gerne getan – das Internet bietet uns nur neue Möglichkeiten dazu. Dennoch ist Vorsicht geboten. Denn mit den neuen Möglichkeiten sind auch neue Gefahren verbunden.
Scheinbare Authentizität
Obwohl du schon viele Zimmer im Haus deiner Momfluencerin auf Video gesehen hast, obwohl du weisst, welches Shampoo sie benutzt und was sie morgen zum Mittagessen plant, kennst du diese Frau nicht wirklich. Das Einzige, was du kennst, ist der Eindruck, den sie vermitteln will. Und wenn sie eine professionelle Influencerin mit vielen Followern ist, dann ist sie sehr gut darin, ein bestimmtes Bild von sich zu vermitteln. Du nimmst also Ratschläge von einer Frau an, von der du in der Regel nicht weisst, in welche Gemeinde sie geht, ob ihre Ehe intakt ist und wie sich ihre Kinder benehmen. Was du kennst, ist das Bild, das sie von sich weitergibt – mehr auch nicht. Das sollte dir bewusst sein.
Deprimierendes Vergleichen
Jeder Mensch hat Bereiche in seinem Leben, die nicht vorzeigbar sind. Vielleicht backt eine Mutter wunderbare Torten, während ihr Vorgarten von Unkraut überwuchert wird. Eine andere kann sehr gut handarbeiten, aber spielt nur wenig mit ihren Kindern. Momfluencer zeigen vor allem das Gelungene, die Schokoladenseite.
Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 02/2025
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