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von Martin Mägli

Naturpark Gantrisch

Das Schweizer Volkslied «S’Vreneli ab em Guggisbärg», das die tragische Liebe zwischen Vreneli und «Simes Hans-Joggeli» von «änet em Bärg» besingt, hat hier seine Wurzeln.

Der Regionale Naturpark Gantrisch ist einer von 17 Schweizer Parks mit nationaler Bedeutung. Wälder, Canyons und die markante Gantrischkette prägen die Landschaft des Parks, der im Dreieck Bern – Freiburg – Thun liegt und 24 Gemeinden umfasst.

Seit 2012 ist das über 400 km2 umfassende Gebiet zwischen 510 m ü. M. und 2239 m ü. M. als regionaler Naturpark zertifiziert. Das bedeutet, dass man die Vielfalt der Natur und die Schönheit der Landschaften langfristig erhalten und aufwerten will und gleichzeitig die regionale Wertschöpfung und nachhaltige Wirtschaft fördert.

Eindrückliche Canyons

Im Süden liegt das Wahrzeichen des Naturparks, die Gantrischbergkette, und der Schwarzsee. Rund um die Gurnigel-Passhöhe erstrecken sich weite Moorlandschaften, mit angrenzenden grossen zusammenhängenden Waldflächen. Weitere wichtige Landschaftsteile sind Guggisberg mit dem bekannten Guggershörnli, das Schwarzenburgerland mit seinen sanften Ebenen und die Flusslandschaft Sense-Schwarzwasser, die eindrückliche Canyons aufweist. Ebenso die abwechslungsreichen Gebiete auf dem Längenberg, einer ehemaligen Seitenmoräne des Aaregletschers, und das sogenannte «Gürbetaler Chabisland».

Besonders imposant ist der sogenannte Sensegraben, ein unzugänglicher Canyon, der von der Sense tief in den Fels eingeschnitten wurde. Die Sense selbst gilt sogar als der natürlichste und besterhaltene Fluss im ganzen nördlichen Alpenraum.

Ein Mekka für Ornithologen

Im Park lassen sich auch wilde Tiere wie Gämse, Fuchs oder zahlreiche Vogelarten beobachten. Besonders im Frühling und Herbst während der Zeit des Vogelzuges gilt die Gurnigel-Wasserscheide als Mekka für Ornithologen, die dann im Naturpark nach seltenen Vögeln Ausschau halten. Für andere Tiersichtungen braucht man aber viel mehr Glück. So habe ich zwar schon oft frische Luchsspuren gefunden, leider jedoch noch nie einen zu Gesicht bekommen. Am besten entdecken kann man das Gebiet auf Wanderungen, Velotouren oder im Winter auf Ski- und Schneeschuhtouren. Es gibt zahlreiche Wege, wie zum Beispiel den Panoramaweg, den Gürbetaler Höhenweg, den Naturerlebnispfad Grasburg, Wege in der Urlandschaft Brecca oder die beindruckende Sense-Schwarzwasserschlucht. Der Park ist aber nicht nur am Tag ein lohnenswertes Besucherziel. Die sehr geringe Lichtverschmutzung ermöglicht nachts in der heutigen Zeit selten gewordene, ungetrübte Ausblicke in die Sternenwelt.

Kulturelle Vielfalt

Die Gegend hat aber längst nicht «nur» Natur zu bieten. So ist sie auch reich an Sagen und Geschichten, wie z. B. die vom «Vreneli ab em Guggisberg», dem bekannten gleichnamigen Schweizer Volkslied. Im Parkgebiet gibt es eine grosse Anzahl kulturhistorisch besonders wertvoller Objekte wie die Schlösser im Gürbetal, den Jakobsweg mit dem ehemaligen Kloster Rüeggisberg, die Kapelle Schwarzenburg, die Grasburg und zahlreiche regionaltypische Bauernhäuser und Brücken im Sense- und Schwarzwassergebiet. Zudem laden acht Museen und drei Sternwarten innerhalb des Parks zum Besuch ein.

Ich selber bin am Rande des Naturparks – dem früher natürlich noch niemand so sagte – aufgewachsen. Schon als Jugendlicher war ich oft hier unterwegs und staunte zu jeder Tages- und Nachtzeit über die wunderschöne Landschaft. Auch wenn es heute nicht mehr ganz so ruhig ist wie damals, ist meine Liebe und Faszination für die Gegend bis heute geblieben. Selbst nach unzähligen Touren entdecke ich immer wieder neue Juwelen.

Betrachten Sie die eindrücklichen Bilder der Fotoreportage in ethos 03/2019.

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