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von Dr. Wolfgang Vreemann

Selbstdistanz

– Raus aus dem Mittelpunkt

Die beste Grundlage für die Widerstandskraft der Seele («Resilienz») gibt die Lebensweisheit der Bibel. Sie zeigt verschiedene Eigenschaften und Verhaltensweisen, die sich einüben lassen. Um dieses «Fitnesstraining der Seele» geht es in dieser Artikelserie.

Selbstdistanz und Anspruchsrelativierung. Solche Begriffe können ja nur aus der Feder von Fachleuten kommen. Dabei geht es aber nicht um Kleidung, Make-up oder Frisur, auch nicht um das Benehmen in der Öffentlichkeit, sondern darum, die eigenen Emotionen, Meinungen und Reaktionen von aussen zu betrachten. Sich selbst einmal zu fragen: Sind meine Gefühle und Reaktionen nachvollziehbar, sind sie korrekt? Soll oder kann ich etwas daran ändern? Wie behandle ich meine Mitmenschen, wie wirke ich auf sie?

Diese Selbstdistanz gelingt aber nur, wenn es mir möglich ist, mich selbst objektiv zu beurteilen. Wenn ich inneren Frieden habe und weiss: Ich bin nicht der Mittelpunkt der Welt; meine Meinung ist nicht die allein ausschlaggebende; andere Menschen haben auch ihre Meinung und ihre Daseinsberechtigung. Ich bin so, wie Gott mich geschaffen hat und so denke ich; die anderen sind anders und denken anders, und damit kann ich gut leben.

Anspruchsrelativierung bedeutet, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse nicht für die wichtigsten zu halten. Es geht eben nicht immer nur um mich. Um mich herum passiert vieles, ohne dass meine Vorstellungen und Ansprüche berücksichtigt werden. Ich lerne zufrieden und dankbar zu sein mit dem, was ich habe. Das können materielle Dinge sein wie Haus, Auto, Kleidung oder Urlaub, aber auch ideelle Werte wie künstlerische oder sportliche Begabungen, oder auch nur meine schlechte Kartoffelernte im Vergleich zu den dicken Knollen meines Nachbarn. Anspruchsrelativierung ist also auch die Fähigkeit, die vielen schädlichen Vergleiche zu vermeiden. Denn wenn ich jemanden zum Vergleich heranziehe, dann meist den, dem es besser geht oder der das schickere Auto hat. An den kranken Nachbarn mit seiner Rostlaube in der Garage denke ich dabei eigentlich nie. Aber genau da lerne ich hinzusehen, um meinen eigenen Wohlstand und meine Gesundheit dankbarer anzunehmen. Auch ein Vergleich mit früheren Erfolgen kann mich negativ beeinflussen.

Aus Gottes Blickwinkel

Menschen im Alten Testament, die den Frieden Gottes erlebten, beherrschten offensichtlich auch die Selbstdistanzierung.

Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 01/2023

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