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von Carole Huber
Teenagermütter in Lima – ausgebeutet, allein, überfordert
In den Armenvierteln Limas gibt es unzählige Mädchen, die ein Baby kriegen, noch bevor sie erwachsen sind. Aus Scham verlassen sie die Schule, aus Angst ziehen sie sich zurück, aus Hilflosigkeit lassen sie sich ausbeuten.
Elvira* entdeckte mit 14, dass sie von ihrem 35-jährigen Stiefbruder schwanger war. Sie brach die Schule ab und blieb zu Hause, wo sie ununterbrochen beschimpft und getadelt wurde. Da sie in der Familie keinen Rückhalt hatte, erwog sie, ihr Kind abzutreiben. Doch dann entschied sie sich für das Leben und auch dafür, nach der Geburt ihres Babys die Schule fertig zu machen. So lernte sie das Programm «Mamitas» kennen und meldete sich dort an.
Im Programm «Mamitas» können die Teenagermütter die Schule in einem verkürzten Verfahren an Abendkursen abschliessen. Neben den Hauptfächern wird von der Psychologin Milagros Barrera das Fach «Wir mögen uns» unterrichtet. Dort werden Themen wie «Selbstwertgefühl», «Wie sage ich ‹nein›?», «Gesunde Freundschaften», «Erziehung» etc. aufgrund des Wortes Gottes behandelt. Elvira gewann Vertrauen zu Milagros und bat sie um Rat. Seit diesem Zeitpunkt wird sie von der Psychologin mit Rat und Tat begleitet.
Elvira kommt aus einem Umfeld, das von Gewalt und Missbrauch geprägt ist. Deshalb fiel es ihr am Anfang schwer, an einen liebenden Gott zu glauben. Hier setzte die Aufgabe von Milagros ein. Geduldig hörte sie ihr zu, nahm sie ernst, gab ihr Ratschläge, wies auf Gott hin. Trotz vieler Hindernisse beschloss Elvira, durchzuhalten und die Schulausbildung zu beenden.
Heute rechnet Elvira mit Gottes Wirken in ihrem Leben. Sie hat die Schule abgeschlossen. Zurzeit verdient sie ein bisschen Geld, indem sie die Kinder anderer Leute betreut. Sie erkundigt sich aber bereits über Weiterbildungen. Ihr Ziel ist es, einmal im Bauwesen oder im Büro zu arbeiten. Sie vertraut darauf, dass Gott sie führen wird.*Name geändert
Milagros, seit wann arbeitest du beim Programm «Mamitas»?
Seit zwei Jahren. Ich bin ausgebildete Psychologin und habe als Missionarin im Landesinnern von Peru gearbeitet. Als ich die Stelle bei «Mamitas» sah, war ich sehr angesprochen von diesem Projekt, das junge Teenagermütter unterstützt. Heute sehe ich meine Berufung darin, Gott hier zu dienen.
Worin besteht die grösste Herausforderung in deiner Arbeit?
Das Vertrauen der Mädchen zu gewinnen. Man kann sich gar nicht vorstellen, aus welchem Umfeld sie kommen. Täglich sind sie tätlicher und emotionaler Gewalt ausgesetzt. Alle sagen ihnen: «Du bist nichts, du taugst zu nichts, du wirst es nie zu etwas bringen.» Dass sie schwanger sind, stigmatisiert sie zusätzlich. Sie sind misstrauisch, vorsichtig, immer auf der Hut. Andererseits reagieren sie aber auch aggressiv und unkontrolliert. Sie erinnern mich an wilde Fohlen.
War Elvira auch so?
O ja. Ich erinnere mich an ihre traurigen, hoffnungslosen, aber auch zornerfüllten Augen, als ich sie zum ersten Mal sah. Im Gespräch schimpfte sie und benutzte völlig unangebrachte Wörter.
Wie hast du ihr Vertrauen gewonnen?
Das braucht viel Geduld und Weisheit von Gott und geschieht sehr langsam in kleinen Schritten. Dabei zeige ich den Mädchen Wertschätzung, erzähle aus meinem eigenen Leben, vermittle ihnen Hoffnung. Wichtig ist auch, dass ich halte, wenn ich etwas versprochen habe.
In welchem Umfeld lebt Elvira?
Sie lebt im Haus ihrer Grossmutter in einem Stadtteil, der von Kriminalität, Drogen, Unmoral und Bandenwesen beherrscht wird. Das Haus sieht zwar von aussen nicht schlecht aus. Das Problem besteht aber darin, dass die halbe Verwandtschaft darin wohnt: Onkel, Tanten, Cousinen etc., die alle von diesem Milieu geprägt sind. Elvira bewohnt gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Sohn ein einziges kleines Zimmer.
So hat sie Unterstützung durch ihre Mutter?
Leider nein. Auch sie verrichtet nur Gelegenheitsarbeiten und beschimpft ihre Tochter bei jeder Gelegenheit: «Du bist schuld, dass wir noch ein weiteres Maul stopfen müssen! Geh gefälligst auch arbeiten!»
Welche Möglichkeiten hat Elvira denn als junge Mutter?
Ohne Schulabschluss praktisch keine. Deshalb legten wir grossen Wert darauf, dass sie den Schulabschluss noch nachholte. Nun stehen ihr staatliche Angebote zur Verfügung.
Lesen Sie das ganze Interview in ethos 05/2019.
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