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von Interview: Daniela Wagner

Über allem bleibt Gottes Liebe

Gott braucht kein Rampenlicht, um mich zu sehen

Judit, eine vielleicht etwas ungewöhnliche Frage zu Beginn: Was hat dich mehr geprägt – die besonders schönen oder die schwierigen Momente in deinem Leben?

Es waren eher die schwierigen. Sei es, dass ich die Not anderer Menschen trotz bestem Willen nicht abwenden konnte, oder dass sich Träume in meinem Leben nicht so erfüllten, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich scheiterte an den eigenen Ansprüchen an mich selbst, kenne Ängste, Minderwertigkeitsgefühle und Versagen.

Die Ohnmacht führte mich zu Gott. Seine Allmacht und Liebe zu mir erfahre ich besonders in Zeiten der Not.

Schwierigkeiten begleiteten dich schon von klein auf ...

Ja, meine sieben Geschwister und ich verbrachten keine unbeschwerte Kindheit. Trotzdem gab es auch schöne Momente – ich liebte meine Familie!

Aber unser Vater forderte von uns harte Arbeit. Er war Pfarrer in einem kleinen Dorf in Ungarn. Sein Gehalt hätte nicht ausgereicht, um eine zehnköpfige Familie zu ernähren. Also baute er einen Landwirtschaftsbetrieb auf mit der idealistischen Vorstellung, uns selbst zu versorgen. Die körperliche Arbeit überliess er uns Kindern. Wenn ich ein paar Minuten in einem Buch lesen wollte, versteckte ich mich, bevor ich mich wieder um die 200 Ziegen auf der Weide kümmern musste. Vater war sehr streng, autoritär, dominant. Wir wagten nicht, uns ihm zu widersetzen.

Wie äusserte sich das?

Er bestimmte zum Beispiel, was wir werden und wie wir leben sollten. Mein ältester Bruder hat sein Leben lang für meinen Vater gearbeitet, ohne eine Ausbildung zu haben. Nur einer meiner Brüder schaffte es, seinen eigenen Weg zu gehen und Musiker zu werden. Dafür musste er wegziehen, das war seine Rettung.

Wir Mädchen sollten Theologie studieren. Einer der Hauptgründe war, dass wir als Mädchen in Ungarn nicht viele Chancen hätten und Pfarrer von der Kirche versorgt würden und ein Haus zur Verfügung gestellt bekämen. So traten meine beiden älteren Schwestern in die Fussstapfen meines Vaters. Aber ich wollte aus verschiedenen Gründen auf keinen Fall Pfarrerin werden. Weil Papa es so verlangte, machte ich die Aufnahmeprüfung für das Theologiestudium, fiel aber durch. Zu meinem Erstaunen legte er mir danach keine Steine mehr in den Weg, um Kinderkrankenschwester zu werden.

Meine Eltern stritten viel, es war oft laut. Solange Mama lebte, kann ich mich nicht wirklich an schöne Momente mit meinem Vater erinnern. Er war nicht nur sehr streng mit uns Kindern, wir bekamen auch wenig Liebe von ihm. Meine Mutter hat unter der ganzen Situation sehr gelitten.

Aber euer Vater war Pfarrer ...?

Ja – aber das Wort Gottes zu «kennen» und es zu leben ist bekanntlich nicht dasselbe. Mutter wurde unter seiner Art leider depressiv. Je schlechter es ihr ging, desto grös­ser wurde meine Wut auf unseren Vater, und es fiel mir schwer, ihn zu respektie-

ren.

Ich hatte Angst, in die Schule zu gehen, weil ich befürchtete, meine Mutter würde sich währenddessen etwas antun. Es wurde immer schlimmer und ich weinte oft wegen dieser schweren Last.

Wie kam die Ehe deiner Eltern zustande?

Leider hatte ich als Kind nur selten Gelegenheit, mit meiner Mutter darüber zu reden. Wahrscheinlich heiratete sie meinen Vater, weil ihr eigener Papa auch Pfarrer war. Sie hatte ein gutes Verhältnis zu ihm, er war ein liebenswerter Mann.

Lesen Sie das ganze Interview in ethos 10/2023

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