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von Yvonne Schwengeler

«Was werden nur die Leute von mir denken ...!»

Unabhängig vom Urteil anderer werden

Kürzlich bin ich über dieses Zitat gestolpert und musste lange darüber nachdenken. Ist das nicht unser aller Wunsch? Angenommen sein und geliebt werden? Was soll falsch daran sein?

Falsch daran ist nichts, die Frage ist nur, aus welcher Quelle ich meinen Wert beziehe. Das ist die Wasserscheide, ob ich feige und gewissenlos oder mutig und gradlinig bin, kurz: ein Mensch mit Rückgrat oder lediglich ein Mensch mit einer Wirbelsäule.

Wie oft habe ich diesen Satz gehört: «Was werden bloss meine Nachbarn denken, wenn ich dies oder jenes tue?» Zum Beispiel, wenn ich mich zu Jesus bekenne und eine christliche Gemeinde besuche? Ist ja nicht gerade das, was uns in der Gesellschaft Bewunderung einbringt! Die Zukunft bei Gott in der Ewigkeit wird aufs Spiel gesetzt, um die fragwürdige Anerkennung von Leuten zu bekommen, denen man letztlich egal ist. Wie kurzsichtig!

Wer bin ich wirklich? Diese Frage stellt sich früher oder später jeder mal. Bin ich das, was ich tue und was andere von mir denken? Suche ich nach Annahme und Bestätigung, um damit ein Gefühl der Sicherheit zu bekommen? Wem möchte ich gefallen, wen beeindrucken, wem imponieren? Wer bin ich wirklich, wie soll ich sein, und wie finde ich das überhaupt heraus? In der Regel fällt es uns leicht, andere zu beurteilen. Wir sehen ihre Fehler und Vorzüge und haben keine Schwierigkeiten, ihren Charakter zu beschreiben. Sich selbst einzuschätzen, ist schon viel schwieriger. Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander.

Was bin ich wert?

Was ist meine Identität, was bin ich wert? Der Auslöser dieser Frage ist oftmals eine tiefsitzende Unzufriedenheit mit sich selbst. Anspruch und Wirklichkeit des Seins sind nicht deckungsgleich. Man spürt: Etwas ist nicht in Ordnung. Das zeigt sich im Leistungsdenken, in Schönheits­idealen und im ständigen Vergleichen mit andern.

Männer definieren ihren Wert eher über Leistung und Erfolg, Frauen über ihr Aussehen. Die Medien prägen und lassen viele durch die Raster fallen. Eine Frau hat jung, schlank, schön, intelligent und charmant zu sein, beruflich erfolgreich und gleichzeitig perfekt als Ehefrau und Mutter. Aber diese Hochglanzfrau ist eine Illusion. Hinter der Fassade sind oft Unsicherheit und die Angst, nicht zu genügen. Man schaut sich an durch die Brille der andern, beurteilt sich nach deren Massstäben und ist verzweifelt, wenn man ihnen nicht entspricht. Seiner Schwächen und Fehlerhaftigkeit bewusst, möchte man seinen Wert beweisen durch Perfektionismus, Beziehungen, Aussehen, Erfolg oder versucht, es allen Leuten recht zu machen. Der Charakter eines Menschen lässt sich leicht daran erkennen, wie er mit Leuten umgeht, die nichts für ihn tun können.

Wer glaubt, dass er nur dann «richtig» ist, wenn alle ihn mögen und akzeptieren, wird zum sozialen Chamäleon, das ständig seine Farbe wechselt, um sich seiner Umgebung anzupassen. Wetterfahnen, sagen wir dem. Sinnbilder der Unbeständigkeit. Dadurch sind wir nicht in Einklang mit uns selbst und haben Schuldgefühle.

Ich muss perfekt sein

Viele Menschen mit Depressionen haben den Anspruch an sich, perfekt sein zu müssen. Den Massstab, den sie an sich legen, ist unerreichbar hoch.

Es geht hier nicht um das gesunde Bemühen um Qualität, sondern darum, sich unablässig und zwanghaft nach unerreichbaren Zielen auszustrecken und den eigenen Wert an seinem Ideal zu bemessen. Die Konzentration auf die eigene Perfektion ist anstrengend. Es ist niemals gut genug. Wut oder Resignation sind die Folge.

Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 11/2022

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