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von Benjamin Lange
Wenn Wohlstand zu Trägheit und Gottvergessenheit führt
Wohlstand ist zuerst einmal ein Geschenk Gottes. Aber er birgt auch viele Gefahren in sich. Die Habgier will immer mehr, selbst wenn das auf Kosten anderer geht, die zu Hungerlöhnen schuften müssen. Die Undankbarkeit lässt vergessen, dass alle gute Gabe von Gott kommt und macht stolz. Die Bequemlichkeit fragt lieber nicht genauer nach, auch dann nicht, wenn es um Gottes Wort und Willen geht. Schwerhörigkeit macht sich breit.
Ebendiese Situation herrschte in Israel, als Gott den Propheten Amos sandte, um dem ungehorsamen Volk wie ein «brüllender Löwe» (Am. 1,3) eine Botschaft zu verkünden, die sie erschüttern sollte.
Der Prophet und seine Zeit
Die kleinen Propheten des Alten Testaments gelten als lebensfern, theoretisch und furchtbar veraltet. Doch nichts könnte der Realität ferner sein. Nicht nur damals hatten sie viel zu sagen, ein Blick auf ihre Lebenswelt zeigt verblüffende Parallelen zur heutigen Zeit, dass man sich über ihre Aktualität nur wundern kann.
In chronologischer Hinsicht ist Amos einer der ersten Propheten, der seine Botschaft auch schriftlich niederlegte. Von seinem Leben ist nur wenig bekannt. Sein Buch beschreibt ihn als «Schafzüchter» und «Maulbeerfeigenzüchter» aus Tekoa, einem kleinen Ort südlich von Jerusalem. Amos lebte im 8. Jahrhundert v. Chr. zu einer Zeit, als das Nordreich Israels unter Jerobeam politisch und wirtschaftlich florierte. In kaum einer anderen Zeit ging es dem Volk so gut: Es gab keine grossen Kriege, Israel beherrschte ein riesiges Gebiet und der Handel spülte unentwegt Waren aus aller Welt in die Städte und zu ihren reichen Bewohnern. Viele konnten es sich leisten, von ihrem Land in die Stadt zu ziehen und andere für sich arbeiten zu lassen.
Äusserlich gesehen fehlte es Israel an nichts, doch der Schein trog. Und dann tritt der Prophet Amos mit einer Botschaft auf, die es in sich hat. Ein durchdringender Weckruf, der durch Mark und Bein geht. Doch was hat es damit auf sich?
Gott richtet das Unrecht bei den anderen ...
Das Buch beginnt mit einer poetisch geschliffenen Rede, in der eine Abrechnung mit den Vergehen aller Nachbarvölker vorgenommen wird: Sie werden wegen Grausamkeit, Unmoral, Unterdrückung der Schwachen, Ausbeutung, Unbarmherzigkeit und Ungerechtigkeit zur Verantwortung gezogen. Auch das Südreich Judas wird in bezeichnender Weise in den Reigen der gottlosen Nachbarvölker des Nordreiches aufgenommen und zur Rechenschaft gezogen, weil sie Götzendienst praktizierten und Gott und sein Wort verwarfen.
Es ist nur zu deutlich, dass die damalige Zeit etliche Parallelen zu heute aufweist und es war gut und notwendig, die Missstände der gottlosen Nachbarvölker blosszustellen.
Die Botschaft, die Amos predigte, muss den Leuten runtergegangen sein wie Öl: Endlich wurden mal die Gräueltaten der Nachbarn aufgedeckt! Endlich sorgte Gott in den Dingen für Gerechtigkeit, die man diesen Völkern schon lange vorwarf! Und auch das Südreich, dem gegenüber man sich im Norden wegen des Tempels in Jerusalem immer etwas benachteiligt fühlte, bekommt nun sein Fett weg! So oder ähnlich dachten sie beim Zuhören vermutlich, bis ... ja bis Amos zum letzten und wichtigsten Teil des Gerichtswortes kam.
Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 11/2022
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